Das Büro war früher eine Gaststätte, die Wände sind notdürftig tapeziert und mit Autoplakaten behängt. Auf dem Tisch stapelt sich Papier zwischen Bildschirmen, in der Sitzecke gibt es Kekse. Eine Mischung aus Professionalität und Chaos, typisch für ein frisch gegründetes Unternehmen.

Nicht aber für einen Arbeitslosenverein. Und doch: In den schlichten Räumen in Moers am Niederrhein sitzt der Bundesverband arbeitsloser Menschen (BVAM). Gegründet haben ihn drei Unternehmensberater, die nicht arbeitslos bleiben wollten. Einer von ihnen ist Thorsten Overlöper, der erste Vorsitzende. Auf einen Job von der Bundesagentur für Arbeit warten, das wäre nichts für ihn. Er ist einer, der gerne ausprobiert, eine Vergaserbatterie als Stiftehalter benutzt und Klartext redet. "Wir haben gemerkt, dass die Unternehmer einen Bedarf an selbstständigen Arbeitskräften haben", sagt Overlöper.

Deshalb hilft sein Verband anderen Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit hat ihn als Beratungsstelle für Existenzgründer anerkannt. Mithilfe von öffentlichen Zuschüssen machen sich die Arbeitslosen selbstständig, und das mit einem neuen Konzept: "Jeder arbeitet wie eine eigene Zeitarbeitsfirma", sagt Overlöper. Die Kleinstunternehmer, ob Lastwagenfahrer oder Bürokaufmann, springen etwa als Urlaubsvertretung ein. Sie sind also flexibel wie Zeitarbeiter, müssen ihr Geld aber nicht mit einem Verleihunternehmen teilen. Overlöper rät den meisten Arbeitslosen zu diesem Schritt: "Wenn ein Selbstständiger ein Angebot schreibt, fällt das auf einem Stapel Bewerbungen immer auf." Außerdem hätten Unternehmer Interesse an Selbstständigen, an die sie sich nicht langfristig binden müssen.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Seit der Gründung im Jahr 2006 hat der Verein nach eigenen Angaben über 400 Menschen in selbstständige Arbeit gebracht und vielen anderen eine abhängige Beschäftigung verschafft, eine Erfolgsquote von etwa 80 Prozent. Knapp 700 Arbeitslose und Unterstützer sind inzwischen beigetreten. Der Verein finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen von fünf Euro pro Monat und aus Spenden von Unternehmern. Er will jetzt bundesweit aktiv werden und baut in zehn Großstädten Stützpunkte auf. Weitere sollen folgen. Noch arbeiten die Vereinsgründer ehrenamtlich, doch bald wollen sie mit dem Konzept Geld verdienen, auch im Ausland.

Dabei setzen sie auf ungewöhnliche Gründungsideen. So wie bei Roland Labuhn. Als kaufmännischer Dienstleister arbeitet er in verschiedenen Büros, von der Versicherung bis zum Bestattungsunternehmen. Außerdem schreibt er die Businesspläne für die anderen Gründer im Arbeitslosenverband.

So helfen sich die Mitglieder gegenseitig, verschaffen einander Aufträge. Wenn sie den Eigenanteil zum öffentlich geförderten Coaching nicht zahlen können, springt der Verband ein. Auch wer schon länger selbstständig ist, kann mit seinen Problemen zu Thorsten Overlöper und Kollegen kommen. "Die wissen, was Unternehmertum bedeutet", sagt Peter Richter. Er arbeitet als Moderator und unterstützt den Verein mit Sachspenden, weil er das Konzept gut findet.