Das Auto ist das liebste Kind der Deutschen. Kein Produkt wird gleichermaßen umworben, da es für alles steht, was uns gut und teuer ist: Status, Spaß und Erfolg. Kein Wunder also, dass die Automobilindustrie hierzulande als Schlüsselbranche gilt, von der Millionen Arbeitsplätze abhängen. Und es überrascht nicht, wenn die aktuellen Probleme dieser Branche als eine Art nationaler Notstand wahrgenommen werden: Kurzarbeit bei Daimler und Volkswagen, Opel vor der Insolvenz.

Die Sorge um Tausende Arbeitsplätze ist verständlich, ebenso wie die Frage, ob ein paar Milliarden Euro Staatshilfe für ihre Rettung nicht angemessen sind. Schließlich ist die Bundesregierung auch bereit, wesentlich größere Beträge für marode Banken vorzuschießen. Und ist es nicht wichtiger, die Schlüsselbranche des Landes zu retten, als Spekulationsverluste aufzufangen?

Doch die Debatte geht an der wesentlichen Frage vorbei. Das eigentliche Problem heißt nicht Opel, Daimler oder Volkswagen. Wer heute die Autoindustrie rettet, schiebt gleichzeitig ein viel grundlegenderes Problem auf. Die eigentlichen Ursachen liegen tiefer und sind in dem Wirtschaftsmodell der Nachkriegszeit zu suchen, das nicht zufällig nach einem Autohersteller benannt wurde. Der Fordismus – der Begriff entstand nach dem ersten Weltkrieg und leitet sich ab vom Namen des legendären Unternehmers Henry Ford – verband die Massenproduktion mit dem massenhaften Konsum.

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Die Rechnung war so einfach wie effizient: Durch das Fließband wurde die Arbeit eintöniger, die Fahrzeuge billiger und die Löhne höher. Die Methode wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielfach modifiziert, doch das Prinzip beibehalten. Vor allem die Mittelschicht profitierte davon, die in Deutschland ein regelrechtes Wirtschaftswunder erlebte.

Das System hat jedoch einen Fehler. Was in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg noch wunderbar funktionierte, gerät heute in eine fundamentale Krise. Denn seit geraumer Zeit steigt die Produktivität schneller als die Nachfrage, und für die Produktion werden immer weniger Arbeitskräfte benötigt. Früher einmal bedeutete Massenproduktion: "von den Massen für die Massen produziert" , heute steht sie für: "von Wenigen für die Massen produziert".