Alle wollen Opel retten. Politik, Gewerkschaften und Eigner ringen um eine Lösung für den maladen Autohersteller aus Rüsselsheim. Am Dienstag wurde gemeldet, die Bundesregierung wolle einen schnellen Kredit gewähren. Die Gewerkschaften kündigen an, am Donnerstag europaweit zu demonstrieren. Tags darauf will die Opel-Mutter General Motors einen Plan vorlegen, der das Überleben der Firma sichern soll. 25.000 Angestellte bangen um ihre Jobs.

Ein Konkurs träfe die Opel-Standorte schwer. Zum Beispiel Bochum oder Eisenach: In beiden Städten gehört der Automobilbauer zu den wichtigsten Arbeitgebern. Bochum hoffte, nach dem Ende von Kohle und Stahl durch die Autoindustrie den Sprung in eine glanzvolle Zukunft zu schaffen. In Eisenach sollte Opel helfen, den wirtschaftlichen Aufbau nach der Wiedervereinigung zu bewältigen. Dass diese Strategie nun  möglicherweise scheitert, ist bitter für Beschäftigte und Lokalpolitiker  – erst recht in einem Krisenjahr.

Die Automobilindustrie gilt als deutsche Schlüsselindustrie. In ihr arbeiten viele Menschen, und sie ist besonders eng mit anderen Wirtschaftszweigen verflochten. Drei Prozent der gesamten Wertschöpfung des Landes werden in der Autoproduktion und den ihr verwandten Branchen geschaffen, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht (hier zum Download verfügbar). Und: Jeder Euro, den die Autohändler an Umsatz verlieren, bewirkt gesamtwirtschaftlich einen 2,2-mal so großen Umsatzrückgang.

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Dennoch täte der Debatte um mögliche Hilfen für die Branche ein klarerer Blick auf die Zahlen gut. Etwa fünf Millionen Jobs hängen in Deutschland an den Autoherstellern, sagt der Branchenverband VDA. Das wären etwa 18 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze des Landes – eine beeindruckende Zahl. Nur: Wahrscheinlich stimmt sie gar nicht.

Ein Blick in die neuesten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Im Juni 2008 arbeiteten rund 735.000 Personen in den Fabriken der Automobilhersteller, der Teile- und Anhängerindustrie. Der VDA nennt etwas höhere Zahlen, bezieht sich allerdings auf vergangenen November.

Der Arbeitsagentur zufolge gibt es 655.000 weitere Arbeitsplätze an Tankstellen, in Autohäusern und Reparaturwerkstätten, die der Branche ebenfalls zuzurechnen sind. Das sind zusammen 1,4 Millionen Jobs. Hinzu kommen Stellen in jenen Wirtschaftszweigen, die von der Automobilindustrie abhängen. Rund 3,6 Millionen müssten es sein, damit sich die Angaben des VDA bestätigen. Das wären sehr viele, nämlich fast 13 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – zu viele?