Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton hat am Sonntag ihren zweitägigen China-Besuch beendet und ist in die USA zurückgeflogen. Zum Abschluss besuchte Clinton in Peking noch einen Gottesdienst und traf in der Botschaft zwei Dutzend engagierte chinesische Frauen. Unter ihnen waren Frauenrechtlerinnen und Forscherinnen akademischer Institutionen, Journalistinnen und Unternehmerinnen, wie eine US-Diplomatin berichtete.

An der Frauenrunde nahm auch die 81-jährige pensionierte Professorin Gao Yaojie, die sich für Aids-Infizierte einsetzt, teil. Die ebenfalls eingeladene Gründerin des Wirtschaftsmagazin "Caijing", Hu Shuli, erschien nicht, dafür kam eine andere leitende Redakteurin, wie die US-Diplomatin berichtete.

Mit dem Besuch der Kirche im Stadtbezirk Haidian und dem Treffen mit den Frauen wollte Clinton ein Zeichen für Religionsfreiheit setzen und die Zivilgesellschaft ermutigen. Die Außenministerin steht unter Kritik, den Menschenrechten weniger Priorität einzuräumen, um Chinas Kooperation in der Weltwirtschaftskrise und dem Klimaschutz zu gewinnen.

Bei ihrem ersten China-Besuch als Ministerin mahnte Clinton eine Zusammenarbeit beider Länder an, um die weltweite Wirtschaftskrise zu bewältigen. "Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass sich China und die USA erholen und wir zusammen an der Spitze der weltweiten Erholung stehen werden." Clinton lobte das Vertrauen der chinesischen Regierung in US-Staatsanleihen und versicherte, Sorgen um die Sicherheit der "Treasuries" seien unbegründet. China besitzt Währungsreserven von rund zwei Billionen Dollar und ist größter Abnehmer von US-Staatsanleihen, mit denen Amerika seine Schulden finanziert.

Clinton verwies auf zahlreiche gemeinsamen Herausforderungen wie das nordkoreanische Atomprogramm und den Klimawandel. "Die USA und speziell die Obama-Administration wollen, dass China wächst", sagte sie beim Besuch eines emissionsarmen Kraftwerks von General Electric. "Wir hoffen, ihr Land macht dabei nicht die gleichen Fehler wie wir", sagte Clinton. "Als wir in der Phase der Industrialisierung waren, wussten wir es einfach nicht besser."

Clinton und der neue US-Präsident Barack Obama suchen in den Beziehungen zu China nichts weniger als eine "neue Ära". Ohne die Kooperation der reichsten Industrienation und des größten Entwicklungslandes der Erde ist weder die Finanzkrise zu bewältigen, noch die Bedrohung durch die Erderwärmung. Immerhin sind beide die größten Klimasünder der Welt. Hatte George W. Bush den Klimaschutz durch Nichtstun aufgehalten, geht es auch hier um einen Neuanfang, wie Clinton mit einem chinesischen Sprichwort deutlich machte: "Man muss den Brunnen graben, bevor man durstig wird."