Die beiden Hoffenheimer Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker traten vor zwei Wochen nach dem Spiel in Mönchengladbach mit zehn Minuten Verspätung zur Doping-Kontrolle an, angeblich weil sie sich zuvor noch frische Trikots angezogen hatten. Das ist ein Verstoß gegen die Doping-Regeln, der mit einem Jahr Sperre sanktioniert werden könnte.

Die Aussagen der Branche verraten einen nonchalanten Umgang mit dem Thema Doping: Rudi Völler bezeichnet das drohende Strafmaß als "absoluten Witz". Ralf Rangnick erwartet, dass nichts passieren werde, er betont, dass in Hoffenheim und in der Bundesliga nicht gedopt werde. Es sei lediglich aufzuklären, warum die Spieler in der Wahrnehmung der Doping-Beauftragten zu spät gekommen sind. Und der zuständige DFB verlautbart in Person des Vize-Präsidenten Rainer Koch, dass man sich eine Manipulation in nur zehn Minuten nicht vorstellen könne.

Die Presse hingegen belehrt die Fußballgrößen. "Nicht bloß Pipifax" korrigiert Evi Simeoni (FAZ) die Verharmlosungsversuche: "Hallo! Aufgewacht, hochwohlgelobtes Fußball-Personal! Es ist keine Bagatelle. Auch nicht im Fußball. Nein, Hoffenheimer Trainer-Professor Rangnick, Mannschaftsbesprechungen sind nicht wichtiger als Doping-Kontrollen. Und nein, die Tatsache, dass die Doping-Tests der beiden Spieler bei der Analyse negative Ergebnisse gebracht haben, ist kein Grund, Entwarnung zu geben. Ein Blick über die Eckfahne hinaus müsste genügen, um zu erkennen, was Sportler in zehn Minuten alles tun können, um ihre Tests zu manipulieren."

Matti Lieske (Berliner Zeitung) gibt zu bedenken: "Man kann darüber streiten, ob die Sportler, die sich lieber der unmittelbaren Sanktionsgewalt des Trainers beugten als der entfernteren der Antidopingbehörden, die richtige Adresse für die Strafen sind, doch in der Sache gibt es nichts zu deuteln."

Der beliebten Sage, dass Doping im Fußball nichts bringe, entgegnete Jan Christian Müller (FR): "Natürlich hat Doping auch im Fußball Sinn, etwa, weil auch Fußballer lieber schnell als langsam laufen, weil sie Interesse haben könnten, sich für ein Spitzenspiel aufzuputschen und/oder ihre Körper für Zweikämpfe und Luftduelle zu stählen. Eine verzögerte Dopingprobe ist kein Bagatelldelikt. Also muss, so die bislang bekannt gewordenen Fakten stimmen, eine Strafe her. Eine spürbare Strafe für zwei wahrscheinlich unschuldig Schuldige."

"Bestenfalls naiv" wertet Andreas Burkert (SZ) das Verhalten von Klub und Spieler, "diesen Vorwurf müssen sie sich stellvertretend für eine millionenschwere Profibranche machen  lassen." Burkert erinnert mahnend an Oliver Kahn. Kahn hatte einen Kontrolleur mit einem Urinbecher beworfen und war mit einer Sperre für ein Spiel davongekommen. Diese Strafe sei zu nachsichtig gewesen.

Nach der dritten Niederlage im vierten Rückrundenspiel (1:2 gegen Köln) verliert Jürgen Klinsmann in München zunehmend das Vertrauen der Vereinsführung. Die SZ wittert "das Klima des Zerfalls". Ludger Schulze schreibt: "Allmählich dämmert die Erkenntnis, dass dieses gewagte Zweckbündnis sich als großer Irrtum herausstellen könnte. Nicht nur Klinsmann wäre dann gescheitert." Elisabeth Schlammerl (FAZ) fügt an: "Sein Ziel, jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser zu machen, das steht schon jetzt fest, hat Klinsmann klar verfehlt."

Angesichts der Berichterstattung über Doping und den Fall Klinsmann geht fast unter, dass der Tabellenführer 1:2 in Wolfsburg verloren hat. Jakob Kirsch (FR) nimmt die Hertha gegen Fehlentscheidungen in Schutz: "Die Berliner spielten jenen fleißigen Favre-Fußball, der sie nach oben gespült hat: Sehr gut organisiert, streckenweise verteidigend wie eine perfekte Maschine. Letztlich entschied Schiedsrichter Knut Kircher in zwei Szenen gegen die Hertha: Er gab einen Treffer des starken Cicero nicht, bei dem auch TV-Kameras ein Berliner Fehlverhalten nicht nachweisen konnten. Und er gab den Wolfsburger Siegtreffer durch Dzeko, bei dem Gegenspieler Josip Simunic nicht freiwillig in die Knie gegangen, sondern von Dzeko weggedrückt worden war."