Milliarden haben sie nicht, dafür aber viel Enthusiasmus. Deutsche Fans der Automarke Saab sammeln im Internet Unterstützer und auch Geld, um "ihre" Firma zu retten. "We are Saab" heißt der Slogan, unter dem sich bereits mehr als 8500 Freiwillige gefunden haben. Und das ist ernst gemeint. Die Initiative, die sich eine Dresdner Saabwerkstatt ausdachte, will sich einkaufen, wenn Saab aus dem Konzern General Motors gelöst und "restrukturiert" ist, wie der Vorgang derzeit heißt.

Man habe schon jetzt spontane Zusagen über "mehrere 10.000 Euro", sagt Carsten Seifert vom Mobilforum Dresden. Und ja, man glaube tatsächlich, dass man sich an Saab beteiligen könne. "Es geht vor allem darum, einem möglichen Investor zu zeigen, dass da eine riesige Fangemeinde ist, die bereit ist, auch wieder Saab zu fahren." Man wolle beweisen, dass ein Markt existiere.

Das dürfte so simpel nicht sein. Immerhin macht die Marke seit acht Jahren Verlust. Und auch vor dem Einstieg von General Motors im Jahr 2000 war die Firma nicht wirklich erfolgreich. Die Autos aus Schweden galten zwar als innovativ und sicher, die Verkaufszahlen aber waren immer gering. Zu klein war die Nische für die eigenwilligen und teuren Wagen. Die Amerikaner gaben den Kunden dann den Rest, als sie Saabs aus Opelteilen zusammenschrauben ließen und ihnen damit auch noch den Ruch der Individualität nahmen. Der Absatz brach noch weiter ein.

Seifert glaubt trotzdem, dass sich die Marke wiedererwecken lässt. Vor allem, wenn man anfange, auf die Kunden zu hören. Daher will die Initiative nicht nur Geld geben, sondern auch Know-how. Das Wissen, was die Fans wollten, sei lebenswichtig, sagt Seifert. Beachte man es nicht, entwickele man am Markt vorbei. Im Übrigen gehe es den Initiatoren der Aktion nicht um Spenden für eine arme Firma, sondern um Beteiligung, Aktien also. Rückmeldung von Saab Deutschland oder aus Trollhättan gibt es bisher keine. Aber 860 Saab-Mitarbeiter haben sich bereits auf der Website angemeldet, zusammen mit 819 Clubs und 35 Händlern.

Die Initiative geht von einem Händler aus - kein Wunder, hängt doch immerhin sein Einkommen an der Marke. Auch im Falle der ebenfalls bedrohten GM-Tochter Opel sind es Händler, die bei der Rettung helfen wollen. Die europäische Opelhändlervereinigung Euroda will sich gar mit mehreren hundert Millionen Euro am Unternehmen beteiligen. Das zumindest sagte der Euroda-Vorsitzende Jaap Timmer dem ZDF-Wirtschaftsmagazin Wiso. Eine finanzielle Beteiligung in dieser Größenordnung sei zwar schwierig. Doch die 4000 Händler in Europa, die in Euroda organisiert sind, könnten dies schaffen. Am besten gemeinsam mit weiteren Co-Finanziers, gerne auch Regierungen.

Zwar hat auch Opel über die Jahrzehnte treue Fans gewonnen, Geld sammeln aber wollen die bisher nicht. Sie scheinen noch in der Trauerphase. Eine der Fanseiten, die sich mit der Krise des Unternehmens befasst (RettetOPEL), will "lediglich eine Plattform bieten, Ihre persönliche Verbundenheit zum Traditionsunternehmen (...) zum Ausdruck zu bringen".