Hotels lassen ihre Mitarbeiter in Teilschichten arbeiten, statt wie zuvor im Zweischichtsystem. Die Arbeit wird früh, mittags und abends jeweils einige Stunden lang erledigt, dazwischen haben die Angestellten Pause. So wird die Arbeit mit der Hälfte des Personals erledigt, weil die Besitzer nicht mit den Löhnen heruntergehen können. Die Angestellten spielen mit, weil sie froh sind, überhaupt arbeiten zu dürfen.

In Zeiten des Wachstums sind die Gehälter explodiert, doch weil die Wirtschaft schrumpft und der Staat für die Banken garantieren muss, verkehrt sich jetzt alles ins Gegenteil: Auf den Arbeitsämtern stehen die Menschen inzwischen bis auf die Straße an. Meiner Frau und ihren Kollegen wird ab März zehn Prozent des Gehalts gekürzt, die Uni hat fast allen Instituten die Mittel zusammengestrichen.

Neulich stand in der Zeitung, dass die Angestellten einer staatliche Dubliner Behörde, die für Behinderte zuständig ist, vier Wochen nicht bezahlt werden konnten. Ein Teil des Konjunkturprogramms wird nun aus den öffentlichen Pensionskassen finanziert – und das bei einem kapitalgedeckten Rentensystem ohne Generationenvertrag.

Dem Studiensystem droht der Zusammenbruch

Ich glaube, das ist alles erst der Anfang, der irische Traum ist längst vorbei. Ein Beispiel ist das Bildungswesen: Weil der Staat die Banken nicht zur Vergabe von Krediten bewegen kann, werden den Unis mittelfristig die Einnahmen wegbrechen, denn die Studenten finanzieren ihre Lebenshaltungskosten und die Verwaltungskosten über Studienkredite.

Inzwischen überlegt der Staat, die Studiengebühren nicht mehr zu übernehmen; viele Studenten würden dann nach Großbritannien abwandern oder könnten sich kein Studium leisten. Eine duale Ausbildung gibt es nicht – desaströs für ein Land, das alleine von qualifizierten Dienstleistungen und Hochtechnologie abhängt.

Ich selbst habe mich inzwischen über 200 Mal beworben, schließlich auch als Servicekraft in Cafés. Meine Frau hat einen unbefristeten Vertrag, wir werden also noch länger hier bleiben. Ich werde es weiter probieren. Das Tröstliche ist, dass wir inzwischen eine Gemeinschaft von Verlierern sind, weil es allen in Irland lebenden Menschen schlechter gehen wird. Die Iren sind ob der Krise härter geworden, doch längerfristig werden sie die Chance nutzen, als Nation enger zusammenzurücken. Die Zeit des Schneller-Höher-Weiter ist vorbei."

Die Aussagen unseres Nutzers aus der Community von ZEIT ONLINE, der anonym bleiben möchte, wurden von Johannes Kuhn aufgezeichnet