Die bayerische Jungunionisten gehen sogar noch weiter als die Jusos. Die hatten lediglich eine Entschuldigung Mißfelders gefordert, einzelne bayerische JU-Bezirke verlangen dagegen jetzt sogar seinen Rücktritt. Und sie stehen damit nicht alleine: Auch die JU in Sachsen distanziert sich inzwischen von Mißfelder. Auf ihrer Homepage ist zu lesen, dass man seine Äußerungen für überzogen halte. Keinem Politiker stehe es zu, "die Hartz-IV-Empfänger in Deutschland pauschal zu verurteilen und zu diffamieren". Von einem JU-Bundesvorsitzenden erwarte man, dass er seine Wortwahl genau wähle.

Die JU-Funktionäre erwarten nun, dass es auf dem nächsten Deutschlandrat des Parteinachwuchses Ende März zu einer großen Debatte, womöglich auch zum offenen Machtkampf kommen könnte. Der Kongress findet ausgerechnet in Nürnberg statt.

Ein ehemaliger JU-Landesvorsitzender, der Mißfelder schon seit Jahren kennt, vermutet, dass der JU-Chef demnächst zurückrudern werde. "Natürlich weiß er, dass seine Thesen nicht Common Sense in der Partei sind." Und fast noch wichtiger: dass sie im Parteipräsidium im Wahljahr nicht gut ankämen. Die Gefahr bestehe, dass die Union und ihr Nachwuchs als kalte Schnösel-Partei abgestempelt würden.

Schon 2003 hatte Mißfelder sich verrannt, mit einem Vorstoß, Alten keine Hüftgelenkoperationen zu bezahlen. Beide Male, so sagt der Parteikenner, habe er das negative Licht unterschätzt, das die Debatte auf ihn werfen könne. Damals mühte sich Mißfelder um eine symbolische Versöhnung mit den deutschen Rentnern, wochenlang tourte er mit dem Chef der Senioren Union durch die Republik, um Reue zu demonstrieren. Ähnliches sei nun mit den Sozialpolitikern zu erwarten.

Tatsächlich gehört die Senioren Union inzwischen zu Mißfelders größten Unterstützern. Heute morgen verschickten sie eine Rund-Mail, in der sie sich mit Mißfelder solidarisierte. Die Debatte, die er angestoßen habe, "sei richtig, lebens- und bürgernah", hieß es da.