Strikte Sprechzeiten gibt es nicht, die Oberurseler sehen sich als kleine Familie. Uni-Themen und Privates vermischen sich so natürlich schnell. "Wir reden ständig über Religion, aber nicht immer bierernst", sagt Nadine Karrenbauer, 22 und eine von nur fünf Frauen an der Hochschule. "Theologie zu studieren ist schließlich eine Lebens- und keine Berufsentscheidung." Diedrich sagt: "Na ja, Montag ist aber immer der 'Tatort' das Hauptthema."

Aber die LThH soll keine Insel sein. Nach der Zwischenprüfung geht es für alle an eine staatliche Hochschule, den Abschluss aber machen die Studenten wieder in Oberursel. "Wir wollen, dass unsere Studenten über den Tellerrand schauen", sagt Behrens. Doch viele bleiben Oberursel während des ganzen Studiums treu und pendeln an die Unis Mainz oder Frankfurt.

Nach dem Mittagessen ziehen sich viele kurz auf ihre Wohnheimzimmer zurück. Mit den hellen Holzmöbeln und schmalen Betten sieht es dort aus wie in anderen Studentenwohnheimen auch. Auf den Gängen stehen Turnschuhe und leere Bierkästen, an einer Zwischentür hängt eine Einladung zur Flurparty. Nur die vielen Bücher über Theologie erinnern daran, dass hier zukünftige Geistliche wohnen.

Ein bisschen wirkt das schon wie eine andere Welt. "Manchmal ist es hier schon klosterartig, in unserer Hochschule auf dem heiligen Berg", sagt Diedrich. Nadine braucht daher etwas Ausgleich und ist eine der wenigen, die nicht auf dem Campus wohnen. "Viele meiner Freunde haben mit Religion absolut nichts am Hut. Ich lasse abends immer alle Unterlagen in Oberursel. Wenn ich in mein Auto steige, verlasse ich die theologische Welt."