Manoj Barman ist frustriert. Der 45-jährige Firmenchef kannte in seinem Berufsleben bislang keine größeren Rückschläge. Doch seit Beginn der weltweiten Finanzkrise ist alles anders. Das Textilunternehmen seiner Familie in Neu-Delhi, das im vergangenen Jahr noch 80 Prozent seiner Produktion in die USA exportierte, musste in den vergangenen Monaten die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen.

"Das Geschäft mit den USA ist fast völlig weggebrochen", sagt der indische Mittelständler. Dabei sei es nicht so, dass es keine Aufträge mehr gebe. "Die Kunden zahlen einfach nicht", sagt der Unternehmer, der in den USA vor allem große Einzelhandelsketten mit Damenbekleidung belieferte.

Barmans Weltbild hat das schwer getroffen. "Ich bin seit 20 Jahren in der Branche und habe nie schlechte Erfahrungen mit den Kunden gemacht, aber vor einem Jahr ging es los mit Lügen und Betrügen. Da begann die Blase zu platzen.

Die Verkäufe des Familienbetriebs, an dem auch noch seine drei Brüder und eine Schwester beteiligt sind, schrumpften in den USA 2008 von sechs auf drei Millionen Dollar. 250 der 500 Mitarbeiter mussten bereits gehen. "Das Problem sind nicht so sehr die Arbeitskosten, aber die Mieten hier in Delhi sind sehr hoch", sagt Manoj Barman. "Ich habe deshalb angefangen, Arbeit auszulagern. Wenn ein Auftrag kommt, lasse ich die Ware teilweise von anderen Firmen anfertigen, statt den ganzen Monat lang Miete bezahlen zu müssen."

Obwohl er optimistisch ist, dass die Wirtschaft und damit seine Aufträge im kommenden Jahr wieder anziehen, hat der Firmenchef derzeit keine Chance, kurzfristig notwendige Kredite zu bekommen. "Von den indischen Banken kriegen wir momentan keine finanzielle Unterstützung und die Versicherungen in den USA sind auch weggebrochen."

Die einzige Möglichkeit für sein Unternehmen sieht er daher darin, sich auf den indischen Markt zu konzentrieren – einer der wenigen, der derzeit noch wächst. Zwar ist es mit dem Rekordwachstum der vergangenen Jahre auf dem Subkontinent ebenfalls vorbei. Doch auch wenn die indische Wirtschaft statt um neun nur noch um sechs Prozent wächst, gibt es dort für Firmen wie die von Barman noch genügend Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

"Wir produzieren inzwischen weniger, aber dafür hochwertigere Ware", sagt der Unternehmer. "Damit erzielen wir höhere Margen." Denn die Gewinnspannen, die sich im Geschäft mit internationalen Einzelhandelsketten erzielen lassen, sind sehr gering. Zudem, so Barman, könnten indische Firmen kaum mit chinesischen konkurrieren. "Die arbeiten derzeit für jeden Preis, egal, ob sie Gewinn machen oder nicht."