Nordkorea hat laut südkoreanischer Angaben in den vergangenen Monaten neue Mittelstreckenraketen stationiert, die einen Sprengkopf bis zur amerikanischen Pazifikinsel Guam tragen könnten. Zudem würde das Geschoss Japan, die nördliche Spitze Australiens, Indien und Russland erreichen können. Wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des südkoreanischen Verteidigungsministeriums hervorgeht, trägt der weiterentwickelte Raketentyp einen 650 Kilogramm schweren Sprengkopf rund 3000 Kilometer weit.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang führt damit – falls der Bericht zutrifft – seinen Konfrontationskurs fort, der zu erneuten Spannungen mit den USA und Südkorea führte. Dialogangebote aus Seoul schlug die kommunistische Führung in Pjöngjang aus und drohte stattdessen dem Nachbarstaat mit Krieg.

Die nordkoreanischen Streitkräfte bereiten nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes zudem einen Test der neuen Langstreckenrakete vom Typ Taeppodong-2 vor. Amerikanische Militärs befürchten, dass Nordkorea mit dieser Waffe einen Atomsprengkopf bis nach Alaska schießen könnte. Ein Raketentest oder ein Satellitenstart in Nordkorea würde eine Verletzung von UN-Resolutionen darstellen, sagte der südkoreanische Außenminister Yu Myung Hwan. Er kündigte Sanktionen an.

Der technische Fortschritt in Nordkoreas Raketenprogramm beunruhigt die US-Regierung auch deshalb, weil das kommunistische Regime weltweit als Waffenhändler auftritt. Nordkorea soll Iran und Syrien bei der Entwicklung von Atomprogrammen geholfen und Raketen nach Afrika geliefert haben.

Am Freitag hatte US-Außenministerin Hillary Clinton Südkorea besucht. Die wichtigsten Themen waren das nordkoreanische Rüstungsprogramm und die verbalen Attacken des Landes gegen Südkorea. "Nordkorea wird keine anderen Beziehungen zu den USA erhalten, solange es beleidigt und den Dialog mit Südkorea verweigert", drohte Clinton, bevor sie nach China weiter flog.

Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert. Sie sollen Nordkorea von einem Angriff abhalten. Vor Drohungen schreckt die kommunistische Führung in Pjöngjang deswegen aber nicht zurück. Die nordkoreanischen Streitkräfte kündigten während des Clinton-Besuchs an, dass sie jederzeit das Nachbarland attackieren könnten. Politiker in Südkorea sprechen von einem "Krieg der Worte".