Seit Montag hat Jürgen Rieger ein Problem mehr: Bei einer Razzia in der Villa des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden in Hamburg-Blankenese fand die Polizei neben Progandamaterial ein funktionsfähiges Sturmgewehr, wohl aus Wehrmachtsbeständen. Jetzt ermittelt sie wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Tätig wurden die Beamten wegen ausländerfeindlicher Flugblätter, für die unterem anderen der Hamburger NPD-Landesverband verantwortlich zeichnete. Dessen Vorsitzender ist der Neonazi-Anwalt Rieger. Gegen den Vorbestraften wird ohnehin schon ein Verfahren vorbereitet, weil er als Verteidiger des Holocaust-Leugners Ernst Zündel selbst den Massenmord an den Juden verharmlost haben soll.

Schon kursieren in einschlägigen Internet-Foren Gerüchte, jemand aus der eigenen Partei habe Rieger reingelegt. Denn in der NPD tobt eine Schlammschlacht um den Vorsitz, bei der es auch um die künftige Ausrichtung der rechtsextremen Partei geht. Udo Voigt, der seit 1996 Parteichef ist und für ein Bündnis auch mit Neonazis eintritt, muss sich dem Votum der Delegierten stellen. Das wollte er eigentlich erst nach der Bundestagswahl im September tun, aber seit dem Skandal um Ex-Kassenwart Erwin Kemna, der wegen Betrugs zu Lasten der Partei in Haft sitzt, wächst der Druck auf ihn.

Nun schickte der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern seinen Fraktionschef Udo Pastörs ins Rennen um Voigts Posten. Prompt zog Andreas Molau, stellvertretender Landeschef in Niedersachsen, seine eigene Kandidatur zurück. Molau verdient seine Brötchen als Fraktionssprecher der Schweriner NPD, Pastörs ist also sein Chef. Die einflussreichen Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hatten ihn überhaupt erst zur Kandidatur bewegt. Möglich, dass die Sachsen nun doch noch ihren Fraktionschef Holger Apfel ins Rennen schicken, der vielen in der Partei als starker Mann gilt und der nur zu Gunsten Molaus zurückgesteckt hatte.

Molau war als Vertreter des eher bürgerlichen, rechtsnationalen Flügels der Partei angetreten, für etwas, was er einen "moderaten" Kurs nennt; er bot Parteien wie Pro Köln eine Partnerschaft an und warb für die rechtsintellektuelle Postille Junge Freiheit . Einen moderaten Kurs bevorzugen – in Abstufungen – auch andere wie Pastörs. Letzterer allerdings unterhält auch enge Beziehungen zur radikalen Neonazi-Szene und steht in dieser Hinsicht Voigt näher.

Profitieren könnte von dem Führungschaos Rieger. In einem Internet-Video prügelte der rechtslastige, vermögende Anwalt auf Molau ein. Mit dem werde die NPD "die beste CSU, die es je gab", und trotzdem keine Wähler gewinnen. Dass Molau "Achteljude" sei, spiele ja keine Rolle, sehr wohl aber, dass er mit der Verfolgung seiner Familie zur Zeit des NS-Regimes "hausieren" gehe.

Auch gegen Apfel und andere aus der bishrigen Führung zog Rieger vom Leder. Er sieht sie allesamt als pseudointellektuelle "Rechtskonservative", die den Kontakt zu den kleinen Leuten und den Anliegen der NPD verloren hätten. Dass Rieger auch Pastörs nicht leiden kann, geht auf alte Intrigen zurück; auf dem letzten Parteitag in Bamberg lieferten sich beide ein ermüdendes Rededuell.