Durch Trollhättan fließt ein Fluss, der Göta. Es ist Schwedens bekanntester Fluss, er streckt sich von Stockholm im Osten bis an die Westküste. Touristen machen auf ihm Flusskreuzfahrten. Der Göta ist der Grund dafür, dass Saab in Trollhättan liegt. Denn dort hat er ein Gefälle, das ideal ist, um aus Wasserkraft billig Elektrizität für die Autofabrik zu produzieren.

Am Schiffsverkehr auf dem Göta lässt sich der Strukturwandel in der Gegend ablesen. "Seit ich Anfang 2001 das Hotel hier oben übernommen habe, hat die Zahl der Transportschiffe, die den Kanal runterfährt, klar abgenommen", sagt Rickard Halleröd. Sein Hotel Albert liegt auf einer Anhöhe am Fluss. Durch die Fenster der Veranda ist das mit Eisschollen bedeckte Wasser des Göta zu sehen. Dahinter liegt die Stadt.

"In den letzten Jahren hat eine Papierfabrik in der Nähe dichtgemacht, seither fahren weniger mit Holz beladene Boote vorbei. Zuvor hatte bereits die Werftindustrie in Westschweden geschlossen. Das war vor allem anfangs hart, aber die Leute haben anderswo Arbeit gefunden. So wird es auch sein, wenn Saab Leute entlassen muss", sagt Halleröd. Mit 15 Angestellten gehört er zu einem der vielen kleineren Dienstleister, die in Trollhättan Arbeitsplätze geschaffen haben.

Wie bei so vielen hängt auch sein Geschäft von Saab ab, dem größten privaten Arbeitgeber der Stadt. Der Autobauer ist mit einem Umsatzanteil von rund 30 Prozent Halleröds größter Kunde. Mehrmals in der Woche kommen Saab-Managemer mit Kunden zum Essen in sein Restaurant. Im angrenzenden Hotel werden Geschäftspartner und Journalisten einquartiert, die zu Werks- und Autovorführungen eingeflogen werden. Halleröd reist außerdem mit Saab zu Automessen. Kommende Woche geht es nach Genf, auch in Frankfurt, Leipzig und anderswo versorgt er die Gäste von Saab mit nordischen Spezialitäten wie Hering, Rentier und Lachs.

Angst vor der Pleite des Autoherstellers hat er dennoch nicht. "Natürlich haben wir uns zum Jahreswechsel hingesetzt und mehrere Szenarien durchgespielt. Ich geh davon aus, dass wir dieses Jahr 20 Prozent Umsatz einbüßen, nicht nur wegen der Probleme bei Saab", so Halleröd. Kündigungen wird er dennoch nicht aussprechen müssen.

Auch wenn sein Unternehmen viel Geld mit Saab verdient, ist Halleröd dagegen, dass der Staat den Autobauer mit einer Finanzspritze vor dem Überleben sichert. "Wenn ein ernst zu nehmendes Konzept steht, dann sollte die Regierung über eine Bürgschaft nachdenken, aber Geld reinschießen? Nein, das ist nicht Aufgabe des Staates", sagt er. Wandel sollte man nicht aufhalten, sondern gestalten, findet er. "Wenn mir Saab als Kunde wegbricht, werde ich verstärkt im nahen Göteborg nach neuen Geschäftspartnern suchen", sagt der Hotelier.

Auch die Arbeiter und Angestellten, die möglicherweise bei Saab gekündigt werden, müssten dann andernorts Arbeit suchen. Trotz der drohenden Arbeitsplatzverluste ist die öffentliche Stimmung optimistisch. "Här finns jobben" (Hier gibt es Arbeit) titelte der Wirtschaftsteil der linksliberalen Dagens Nyheter am Tag, an dem Saab Insolvenz beantragte. Das Blatt verwies darauf, dass Unternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen, nicht weit von Trollhättan dringend Arbeitskräfte brauchen; Vorqualifikation aus der Autobranche seien erwünscht. Die Boulevardzeitung Aftonbladet veröffentlichte Montag dieser Woche eine Liste mit 11.629 freien Stellen. Die sind freilich übers ganze Land verteilt. Solche Artikel sind symptomatisch für Schweden.