Tina Brown klingt enthusiastisch. "Das Daily Beast ist ein wunderbares Projekt, es ist  viel schneller als alles, was ich bisher gemacht habe", sagt sie. Die frühere Chefredakteurin von Vanity Fair und dem New Yorker stellte ihre Website an der Journalistenschule der Columbia University vor, und die Studenten drängelten sich begeistert um sie. The Daily Beast, finanziert vom Medienmogul Barry Diller, bietet Klatsch aus Hollywood, Blogs von Semi-Prominenten und Links zu Artikeln, aber auch recherchierte Storys von Journalisten. Aber nicht allzu viele.

Ist  das Daily Beast die Zukunft des Journalismus? Denn klar ist: Der steckt tief in der Krise. Die New York Times musste ihr Hauptquartier beleihen, hat die Dividende ausgesetzt und ein 250-Millionen-Dollar-Darlehen von dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim Helu aufgenommen. Dow Jones, das Mutterhaus des Wall Street Journal, das Rupert Murdoch erst vor einem Jahr für fünf Milliarden Dollar erworben hatte, musste seinen Wert um drei Milliarden Dollar berichtigen. Der Christian Science Monitor verzichtet nach hundert Jahren auf eine tägliche Druckausgabe, desgleichen die Detroit Free Press; Hearst wird folgen. Und die Tribune Company, die neben der Chicago Tribune die Los Angeles Times herausgibt, ist im Konkurs.

Nun hat es auch die Magazine erwischt, die lange immun schienen. 525 Titel wurden allein 2008 in den USA eingestellt, darunter waren 17 Reisemagazine  — auch das der Finanzkrise geschuldet — und 20 Uniblätter, deren Leser zu Facebook abwanderten. Conde Nast — die in Deutschland Vanity Fair einstellten — wird das Frauenmagazin Domino vom Markt nehmen, Conde Nast Portfolio erscheint nur noch zehnmal im Jahr statt zwölfmal. Playgirl gibt es nur noch online. Sogar der New Yorker muss Seiten abspecken, weil Werbung ausblieb. Auch bei Time, Fortune und Sports Illustrated brach die Werbung ein. Ein Gutteil davon ist der kränkelnden Autoindustrie geschuldet. In Hochglanzmagazinen kommen aber auch viele Anzeigen von Edelmarken wie Cartier und Prada. Und die bauen krisenbedingt ab. Time Inc. ist als Teil von Time Warner börsennotiert, hier kommt noch der Druck der Aktionäre hinzu.

Dabei haben Zeitungen und Zeitschriften sogar wesentlich mehr Nutzer als früher — allerdings im Internet. Die meisten wollen nicht bezahlen. "Wenn wir Gebühren für Onlineabos verlangen würden, hätten wir nur noch einen Bruchteil der Leser", erklärte es Martin Nisenholtz einmal,  Chef der New York Times Digital. "Und dann würden die Werbeeinnahmen stärker sinken, als was uns das an Abogebühren bringe würden." Einzig das Wall Street Journal verlangt Gebühren, die meisten Abonnenten sind allerdings Banker, bei denen die Arbeitgeber geradestehen.

Was gerade im Journalismus passiert, nennt David Cohn "Entbündlung". Cohn betreibt Spot.us, eine Website, die investigative Recherchen im Raum San Francisco auf Spendenbasis betreibt: Online-Leser picken sich aus der Publikation nur das heraus, was sie interessiert. Bei Magazinen aber werden einige wenige aufwendige Recherchen — die bis zu zehntausend Dollar plus Spesen kosten — durch viele bunte und billige Klatsch- und Lifestyleartikel subventioniert. Entbündelt funktioniert das Modell nicht mehr.

Dabei begrüßen Verleger eigentlich das Internet — hier entfallen die hohen Kosten für Druck und Vertrieb — aber Internetwerbung bringt nur ein Zehntel der Printwerbung. Dazu kommt, dass viele Anzeigen zu Websites wie Google News oder die Huffington Post abgewandert sind — oder demnächst zum Daily Beast. Und die posten die recherchierten Artikel anderer Publikationen.