Der schwedische Energiekonzern Vattenfall setzt seinen europaweiten Expansionskurs  fort. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben zunächst mit 49 Prozent der Anteile bei Nuon einsteigen. Den Rest wolle man in den kommenden sechs Jahren erwerben, hieß es. Einschließlich der Dividenden für 2008 belaufe sich das Volumen des Deals auf 10,3 Milliarden Euro. Wenigstens 80 Prozent der Nuon-Aktionäre müssen dem Geschäft zustimmen.

Der Vorsitzende der deutschen Monopolkommission, Justus Haucap, kritisierte den geplanten Zusammenschluss. "Es ist nicht unbedenklich, wenn in den Marktgebieten Berlin und Hamburg einer der wichtigsten Wettbewerber des Platzhirschen Vattenfall wegfällt", sagte Haucap der Welt. Noch gebe es keinen deutschlandweiten Strommarkt im Endkundengeschäft.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Aufsichtsbehörden gewisse Bauchschmerzen durch die neue Situation bekommen werden und sich genau ansehen, was zusammengeschlossen werden soll." Auch der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Holger Krawinkel, sieht die Übernahme kritisch: "Nuon war in Berlin und Hamburg ein Auffangbecken für unzufriedene Vattenfall-Kunden. Das ist jetzt natürlich weg."

Das schwedische Staatsunternehmen Vattenfall gehört zu den größten Stromerzeugern in Europa und versorgt auch deutsche Kunden. Der Betriebsgewinn des Unternehmens stieg 2008 um 4,6 Prozent auf 29,9 Milliarden Kronen (2,8 Milliarden Euro). Außer in Deutschland und im Stammland Schweden ist Vattenfall auch in Finnland, Dänemark, Polen und Großbritannien aktiv. Ein Stellenabbau sei im Zuge der Übernahme nicht vorgesehen, hieß es.

Mit im Rennen waren Kreisen zufolge auch die dänische DONG und die italienische ENI. Sowohl der Verkauf von Essent an RWE vor sechs Wochen als auch von Nuon ist das Ergebnis der vom niederländischen Staat verlangten Trennung von reguliertem und unreguliertem Geschäft. Auch in Deutschland gibt es solche Bestrebungen; eine Möglichkeit ist die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft, in die bisher aber nur E.on und Vattenfall ihre Netze einbringen wollen.

Ansonsten sind Zukaufsgelegenheiten im europäischen Strommarkt rar. Mit Vattenfall und RWE teilen sich in Deutschland der baden-württembergischer Konzern EnBW und das Essener Unternehmen RWE den Energiemarkt.  Nuon beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter in den Niederlanden, Belgien und Deutschland.