Es ist nicht so sehr die absolute Zahl der Arbeitslosen, die erschreckt. Angst macht vielmehr, wie rasant die Zahlen steigen: Von Januar auf Februar haben 63.000 Menschen ihren Job verloren. Insgesamt sind jetzt 3.552.000 ohne Arbeit. Einen so großen Anstieg von einem Wintermonat zum nächsten hat Deutschland zuletzt 2005 erlebt.

Im Dezember waren noch 3,1 Millionen Menschen arbeitslos, die Quote lag bei 7,4 Prozent. Jetzt hat sie 8,5 Prozent erreicht. Und es wird noch schlimmer: Fachleute gehen davon aus, dass bis Jahresende zwischen 500.000 und 700.000 Menschen mehr ohne Job sind.

Was ist angesichts solcher Erwartungen zu tun? Ist die Idee vom Fordern und Fördern, kaum dass sie erste Erfolge zeitigte, schon wieder am Ende? Wie helfen wir jenen, die jetzt abstürzen?

Linke Politiker wie Ottmar Schreiner, manche Gewerkschafter und Ökonomen sagen, wenn es keine Arbeit gebe, habe es wenig Sinn, Arbeitslose zu drängen, sich neue Jobs zu suchen. Ihre Empfehlung: Der Staat soll in Krisenzeiten für Sicherheit sorgen.

Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf rät beispielsweise, sich jetzt schon Gedanken darüber zu machen, ob nicht das Arbeitslosengeld I auf 18 Monate verlängert werden sollte. Falls die Krise länger andauert, könne das helfen, sagt er. Bisher wird es im Regelfall nur 12 Monate lang gezahlt, über 50jährige erhalten bis zu zwei Jahre lang Geld.

"Die Leute, die jetzt arbeitslos werden, sind nicht selbst daran schuld", sagt Horn. Wer in diesem Sommer seine Stellung verliere, werde im kommenden Jahr in Hartz IV rutschen, falls die Politik die Regeln nicht ändere. Wird die Krise so gewaltig, wie manche fürchten, könnten es viele sein.

Andere Arbeitsmarktforscher warnen jedoch, solche Ideen fielen hinter die Erfahrung zurück, die man in den vergangenen zwei Jahren mit den Arbeitsmarktreformen gesammelt habe: Sie sagen, dass der Anreiz, sich wegen der kürzeren Zahlung des Arbeitslosengeldes schneller einen neuen Job zu suchen, ganz gut wirke. Dass niedrige Hartz-IV-Sätze viele Menschen aktivierten, sich möglichst schnell aus dieser Situation zu befreien, auch wenn sie dafür prekäre Beschäftigungsverhältnisse eingehen mussten. Dass die Reformen die strukturelle Arbeitslosigkeit aufgebrochen hätten, die Deutschland so lange fest im Griff hielt.