Fegeler: Masern sind hochinfektiös. Es bedarf nur sehr weniger Viren, um die Krankheit auszulösen. Hat ein Kind die Masern und hustet, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass andere Kinder, die in der Nähe sind, sich anstecken. In so einer Hustenwolke befinden sich Milliarden von Viren.

ZEIT ONLINE: Die Weltgesundheitsbehörde WHO will die Masern bis 2010 ausrotten. Erst kürzlich warnten Mediziner, dass dies kaum mehr zu schaffen sei, weil viele Menschen impfmüde geworden sind.

Fegeler: Das war die große Hoffnung. Aber solange es noch Menschen gibt, die sich der Impfung strikt verweigern, wird eine Ausrottung nicht zu erreichen sein. Diese Leute sind auch geschützt, da die meisten Menschen um sie herum geimpft sind. Sie liegen praktisch in einer immunologischen Hängematte. Doch immer wieder kommt es zum Ausbruch der Masern. Da reicht ein Einzelner aus, der die anderen infiziert und schon verbreitet sich das wie ein Buschbrand. Und das passiert meist dort, wo Menschen ihre Kinder nicht impfen lassen. Häufig sind darunter Mitglieder bestimmter Glaubensgemeinschaften.

ZEIT ONLINE: Was ist zu tun? Sollte die Impfung verpflichtend sein?

Fegeler: Jeder sollte sich impfen lassen. Auch Erwachsene können dies immer noch tun. In Deutschland gibt es keine vorgeschriebene Impfpflicht. Es gibt aber die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Diese haben nur einen teilverbindlichen Charakter. Es gibt Überlegungen, eine Impfung vorauszusetzen, sobald Kinder etwa einen Kindergarten, eine Schule oder eine andere Einrichtung besuchen sollen. In Amerika und England ist der Spruch "Keine Impfung, keine Schule" verbreitet.

ZEIT ONLINE: Ist das eine Devise, die auch für Deutschland gelten sollte?

Fegeler: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat sich für diese Richtung ausgesprochen. Wir sind der Meinung, dass die Impfung viel verbindlicher gehandhabt werden müsste. Eine Impfpflicht ist allerdings nicht durchzusetzen, auch vor dem Hintergrund der Regelungen im Grundgesetz. Man könnte aber eine Lösung finden, indem der Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung eine vorherige Impfung nötig macht.

Die Fragen stellte Sven Stockrahm.