Ein 5:0-Auswärtssieg in Lissabon, doch die Presse macht Jürgen Klinsmann zum großen Verlierer. Sein Anteil an dem "historischen Sieg" (FAZ) wird infrage gestellt. Kapitän Mark van Bommel zitieren mehrere Zeitungen mit den Worten: "Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir defensiver spielen." Ein Affront gegen den Trainer, der an die WM 2006 erinnert, als sich Michael Ballack die entscheidenden taktischen Änderungen auf die Fahnen schrieb.

Michael Neudecker (Berliner Zeitung) schildert die Entblößung Klinsmanns: "Er wurde schon einmal von Uli Hoeneß zurechtgewiesen, in der Hinrunde ordnete der Manager mitten in Klinsmanns Reformspielereien hinein eine Rückkehr zum 4-4-2-System an. Und nun muss Klinsmann feststellen, dass die Mannschaft die Dinge selbst in die Hand nimmt. Dass er vollends die Kontrolle zu verlieren droht. Der Respekt der Spieler vor der Kompetenz des Trainers, so ist zu hören, soll auf einem bedrohlichen Tiefpunkt angelangt sein."

Roland Zorn (Frankfurter Allgemeine Zeitung) verkleidet sein vernichtendes Urteil über den Trainernovizen Klinsmann als Lob: "Er hat den Rat der Vereinsoberen erhört, nicht mehr wie zu Saisonbeginn ständig Personal und Spielsysteme zu wechseln, und er wird nun auch die Neujustierung im Zusammenspiel von Abwehr und Angriff hinzubekommen versuchen."

Das Spiel selbst rückt in den Hintergrund, der Sieg wird nüchtern bewertet. Die FAZ lobt die "zielbewusste und sachliche" Art und den "innerbetrieblichen Ordnungssinn" der Bayern, die ihre "lange vermisste Balance aus Defensive und Offensive wiedergefunden haben". Die taz hingegen hat die schlechte erste Halbzeit, in der Lissabon der Führung nahe war, nicht vergessen und titelt: "Bayern glücklich überlegen".

Christof Kneer (Süddeutsche Zeitung) betont, dass der Sieg in erster Linie auf Franck Ribéry  zurückgeht – und deutet diese Einseitigkeit als weiteres schlechtes Zeichen für Klinsmann: "Die viel zu sehr auf Ribéry zugespitzte Zusammensetzung der Elf ist nicht Klinsmanns Schuld, aber sie ist längst sein Problem – und die Abhängigkeit des Trainers vom Einzelspieler Ribéry verschärft sich bedenklich, wenn er die Mannschaft nicht hinter sich weiß. Kein Spieler hat es hinterher für notwendig erachtet, wenigstens irgendein Detail dieses 5:0 dem Trainer zuzuschreiben."

Gegen Klinsmann spricht auch, dass ein unzufriedener Ersatzspieler einen Tag nach einem 5:0 den Mut hat, seinen Ärger auszudrücken: "Es ist, als würde ich gegen eine Wand laufen", klagt Daniel van Buyten, "ich habe keine Ahnung, wie lange ich das noch durchhalte." Daraufhin habe Klinsmann, dafür verbürgt sich die Berliner Zeitung, nicht mal ironisch gesagt: "Wie er mit der Situation umgeht, das ist erstklassig."

Kalkulierender Hinspielfußball

Aufmerksamkeit schenkt die deutschsprachige Presse dem Anti-Spiel Real Madrid gegen FC Liverpool (0:1). Flurin Clalüna (Neue Zürcher Zeitung) beschreibt, wie sich beide Mannschaften ineinander verkeilen und gegenseitig bremsen: "Es war ein von der Globalisierung verzerrtes Fußballspiel, mit mehr Spaniern in der Startformation des FC Liverpool (fünf) als bei Real Madrid (drei). Aber trotz dem iberischen Grundcharakter: Es gibt diese Partien mit Mannschaften, die einfach nicht zusammenpassen, die das Spiel gemeinsam ersticken, weil sie keine Lösungen für die jeweiligen Taktikrätsel der Trainer finden."

Die Spuren der beiden Trainer liest Ronald Reng (taz) heraus: "Rafael Benítez ist der Meister des kalkulierenden Hinspielfußballs, Real Madrid hat seit dem Trainerwechsel zu Juande Ramos den Anarchistenfußball seines Vorgängers Bernd Schuster hinter sich gelassen, aber für höchste Gegner wie Liverpool besitzt es unverändert weder Inspiration noch Tempo."

Volkspark

Einige Finanzunternehmen, die in das Millionengeschäft Profifußball investieren, werden inzwischen mit Steuern subventioniert. Nun auch die HSH Nordbank, Sponsor des HSV. Boris Herrmann (Berliner Zeitung) schlägt süffisant vor, dem Hamburger Stadion den ganz alten Namen zurückzugeben: "Nicht nur in Hamburg, in ganz Deutschland, ja weltweit, wurde der Spitzensport zuletzt mit dem Kapital jener Banken gemästet, die nun reihenweise um staatliche Hilfen betteln. Finanzminister Peer Steinbrück hat bereits darüber gesprochen, die Frankfurter Commerzbank-Arena in Steinbrück-Arena umzubenennen. Das war nicht ganz ernst gemeint, geht aber in die richtige Richtung. Wenn der Steuerzahler schon das Geld selbst aufbringen muss, mit dem er beim Stadionbesuch werblich berieselt wird, dann wäre es nur gerecht, den wahren Sponsor auch beim Namen zu nennen. Im Fall von Hamburg böte sich Volksparkstadion an."