Kurz vor der Konstituierung des UN-Sondertribunals zur Aufklärung des Mordes an dem früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri haben die Hauptverdächtigen ihre unverzügliche Freilassung beantragt. Der zuständige libanesische Richter wollte noch im Laufe des Freitags die Anträge der Untersuchungshäftlinge prüfen, hieß es aus Justizkreisen in Beirut. Bei den vier Beschuldigten handelt es sich um hochrangige, Syrien treue libanesische Generäle, darunter die früheren Chefs der Präsidentengarde und des Militärgeheimdienstes.

Sie müssen damit rechnen, dass ein internationales Sondertribunal, das sich an diesem Sonntag in der Nähe von Den Haag in den Niederlanden konstituiert, schon bald ihre Auslieferung beantragt. Drei weitere Verdächtige waren am vergangenen Mittwoch aus der Haft entlassen worden, ohne dass dafür eine Begründung gegeben wurde. Die Festnahme der vier Generäle hatte noch der deutsche UN-Sonderermittler Detlev Mehlis, angeordnet, der die Untersuchungen von Mai bis Dezember 2005 geleitet hatte. Drei weitere Verdächtige waren am Mittwoch aus der Haft im Libanon entlassen worden.

Bei dem Attentat am 14. Februar 2005 waren der frühere libanesische Ministerpräsident Hariri sowie 22 weitere Menschen getötet worden. Zahlreiche Spuren deuten daraufhin, dass Syrien hinter der Tat steckt. Die Regierung in Damaskus, die über Jahrzehnte die Strippen in der libanesischen Politik zog, und die pro-syrische Opposition im Libanon hatten mit allen Mitteln versucht, das Tribunal zu verhindern. Die Ermittlungen gelten daher als politisch hochbrisant für den Libanon. Es wird befürchtet, dass der Start des Tribunals für neuen Aufruhr sorgen könnte.

UN-Chefermittler Daniel Bellemare wandte sich am Freitag vor seiner Abreise aus Beirut mit einem offenen Brief an die Libanesen. Dabei versicherte er, sein Team werde alles "Mögliche tun, um sicherzustellen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und die für das Verbrechen Verantwortlichen (....) bestraft werden." Die Anklage werde sich von keinerlei politischen Erwägungen beeinflussen lassen. "Wir werden allen Spuren verfolgen - egal wo sie uns hinführen."

Das Ende seines am Samstag auslaufenden Mandats als US- Sonderermittler sei "nur das Ende eines Kapitels. Es ist nicht das Ende unseres Auftrags", versicherte Bellemare. Der kanadische Jurist wird die Untersuchungen des Falls künftig als Chefankläger des Sondertribunals für den Libanon (SLT) fortsetzen. Wann Anklage erhoben und der Prozess eröffnet wird, ist offen. Die UN haben dem Gerichtshof mit elf Richtern und 300 Mitarbeitern zunächst ein Mandat für drei Jahre erteilt. Finanziert wird er durch die libanesische Regierung sowie Geberländer, darunter die USA und Deutschland.