ZEIT ONLINE: Frau Batiashvili, Ihre Mutter ist Pianistin, Ihr Vater Geiger. Warum siegte bei Ihnen die Geige und nicht das Klavier?

Lisa Batiashvili: Bis ich sechs Jahre alt war, habe ich beide Instrumente gespielt. Aber es inspirierte mich mehr, meinen Vater dabei zu beobachten, wie er seine Schüler mit kleinen Geigen unterrichtete. Eine Sechzehntel-Geige empfand ich als viel persönlicher als ein Klavier. Meine Liebe galt deshalb von Anfang an der Geige.

ZEIT ONLINE: Gab es ein musikalisches Schlüsselerlebnis?

Batiashvili: Als Kind hörte ich jeden Tag Mozarts g-Moll-Sinfonie in der Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern unter Karl Böhm. Diese Schallplatte hat meine Liebe zur Musik geweckt. Damals war es in Georgien etwas ganz Besonderes, eine Platte aus dem Westen zu besitzen. Wir hatten insgesamt vielleicht 15 oder 20 Platten, die mein Vater von seinen Konzertreisen im Laufe der Zeit heimlich über die Grenze geschafft hat. Diese Platten waren ein Vermächtnis.

ZEIT ONLINE: Wie ist heute das Verhältnis zu Ihrer Heimat Georgien?

Batiashvili: Dieser Wechsel von Georgien nach Deutschland war so eine unglaubliche Wende in meinem Leben, bei der ich eine ganz andere Welt kennengelernt habe. Meine gesamte Kindheit, die Musik und überhaupt das Leben dort waren so intensiv, dass ein großer Teil in mir noch von dem zehrt, was ich alles in Georgien erlebt habe. Das ist tief in meiner Seele verankert. Ich bin zwar schon lange Zeit in Westeuropa, aber ich habe das Gefühl, ich mische die beiden Kulturen. Manchmal bin ich auch traurig, weil ich mich nirgendwo richtig zu Hause fühle.

ZEIT ONLINE: Sie haben auf Ihrer letzten CD neben dem Beethoven-Violinkonzert sechs Miniaturen des georgischen Komponisten Sulkhan Tsintsadze eingespielt. Fließt georgische Musik generell in Ihre Interpretationen mit ein?