Das Management in Rüsselsheim sieht die Zukunft des Autobauers in einer rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit, wie aus dem Rettungsplan hervorgeht, den der Vorstand am Freitag im Aufsichtsrat der Adam Opel GmbH vorlegte. Gesunden soll das Unternehmen demnach durch Kostensenkung, durch Staatsunterstützung und durch einen Milliardenzuschuss vom US-Mutterkonzern Generals Motors. Das Konzept wird Grundlage sein für die Entscheidung der Bundesregierung über die erwünschte Milliardenhilfe des Staates.

Wie der Europachef des US-Mutterkonzerns General Motors (GM), Carl-Peter Forster, sagte, wird noch darüber verhandelt, wie Werkschließungen und Kündigungen zu vermeiden sind. Carl-Peter Forster, Opel-Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident von GM Europa. "Wir werden unser Geschäft mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze restrukturieren", sagte er.

Aber Tatsache sei, "dass wir uns in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation befinden und eventuell Werksschließungen in Betracht gezogen werden müssen". Über Einsparungen wolle er dies jedoch verhindern. Opel müsse dazu einen nicht unerheblichen Betrag leisten. Am Montag will Opel den Rettungsplan dem Bund übergeben.

Schlüsselelement des Konzepts ist demnach, Opel von GM weitgehend abzutrennen. Opel wolle als selbstständige europäische Gesellschaft Teil des GM-Konzerns bleiben, unter anderem um den Zugang zu Techniken zu behalten und von der Größe des Konzerns zu profitieren, sagte Foster. Die Gesellschaft sei zudem offen für Investitionen von Dritten.

Vollkommen getrennt von GM wäre Opel nicht überlebensfähig. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, verfügt die einstige deutsche Traditionsfirma nicht mehr über die Patente und Rechte an den Fahrzeugentwicklungen des Forschungszentrums in Rüsselsheim. Diese trat Opel vor vier Jahren an eine GM-Gesellschaft ab.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bestätige diese Schwierigkeiten. Ein "abstraktes Herausbrechen" von Opel aus dem Verbund mit GM erscheine wegen der tiefen technischen Verflechtung schwierig. Diese ist wohl auch Grund für die Haltung des Opel-Gesamtbetriebsrats, das Unternehmen lediglich teilweise von GM zu lösen. Damit sollten auch künftig Technologietransfers und ein gemeinsamer Einkauf möglich bleiben.

Weiter ungewiss ist, ob alle deutschen Opel-Standorte eine Umstrukturierung des Unternehmens überleben würden. Wie die Financial Times Deutschland berichtete, sollen die Werke Rüsselsheim und Kaiserslautern als Teil eines neuen europäischen Opel-Konzerns erhalten bleiben. Die deutsche Fahrzeugproduktion würde sich dann in Rüsselsheim konzentrieren.

Als besonders gefährdet gilt demnach das Werk in Bochum. "Bochum ist das größte Problem", zitierte die Zeitung aus Kreisen der Bundesregierung. Der Bochumer Betriebsrat geht allerdings vom Erhalt der Astra-Produktion in der Ruhrgebietsstadt aus. "Nach dem Stand der bisherigen Gespräche wird man sich an die Verträge halten", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel.

Opel benannte auch den absehbaren Bedarf an Staatshilfe. Nach Informationen vom Donnerstag sollte das langfristige Überleben Opels nur mit acht bis neun Milliarden Euro gesichert sein. Unternehmenschef Hans Demant hatte entsprechende Berichte dementiert. Wie Europa-Chef Forster am Freitag bekräftigte, erbittet Opel vom Bund bisher Kredite und Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Weitere drei Milliarden Euro soll GM beisteuern. Um 1,2 Milliarden Euro sollen die Kosten sinken.