ZEIT ONLINE: Herr Lahm, gestern konnten Sie gar nicht richtig sprechen. Sie leiden an einer Grippe. Wie schlimm ist es?

Philipp Lahm: Mich hat es erwischt. So eine Krankheit ist auch ein Zeichen, dass der Körper eine Pause braucht und sie sich nimmt. Ich habe kein Antibiotikum genommen, aber verschiedene pflanzliche Mittel. Man sagt ja, eine Grippe dauert eine Woche, egal, was man dagegen tut.

ZEIT ONLINE: Sie sind nicht in die Apotheke gelaufen und haben sich mit Tabletten eingedeckt?

Lahm: Nein, wo denken Sie hin? Das läuft alles über die Ärzte des FC Bayern. Wenn ich Medikamente nehme, muss ich drauf achten, dass in den Wirkstoffen keine Doping-Substanzen sind. Alle Mittel, die ich nehme, kommen vom Verein. Der Bayern-Arzt achtet darauf, dass ich die richtigen Aspirin-Tabletten nehme.

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ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie sind bei einer Kontrolle fein raus?

Lahm: Nein, wenn ich bei einer Dopingkontrolle positiv getestet werde, bin ich der Schuldige.

ZEIT ONLINE: Wie beschäftigt Sie als Fußballprofi das Thema Doping?

Lahm: Sehr intensiv und inzwischen täglich. Schon als Amateur musste ich mitdenken und aufpassen. Bevor man etwas nimmt, muss man fragen, ob das in Ordnung ist. Seit dem 1. Januar muss ich der Nada (Nationale Anti Doping Agentur, die Redaktion) jeden Tag mitteilen, wo ich mich aufhalte. Alle Nationalspieler gehören dort zur höchsten Kategorie, im Internet müssen wir unseren Aufenthaltsort angeben.

ZEIT ONLINE: Ein Instrument, damit unangekündigte Dopingkontrolleure wissen, wo sie Philipp Lahm finden.

Lahm: Teilweise ist es aber auch ein nervendes Instrument, was die Privatsphäre verletzt. Wenn ich frei habe, und einen Tag in die Berge fahren will, muss ich meinen Ausflugsort vorher angeben. Ich habe etwa drei Monate grob vorgetragen. Heute bin ich krank und muss im Internet angeben, dass ich doch nicht beim Training bin.

ZEIT ONLINE: Was passiert, wenn Sie den Ausflugsort in den Bergen nicht preisgeben?

Lahm: Wer dreimal nicht angibt, wo er sich befindet, gilt als gedopt.

ZEIT ONLINE: Wie oft wurden Sie bisher kontrolliert?

Lahm: Im vergangenen Jahr musste ich etwa zehn Mal zur Kontrolle. In der Bundesliga wird ausgelost, wer zur Kontrolle muss. Nach Champions-League-Spielen werden wir immer überprüft. Dann gibt es noch die unangemeldeten Trainingskontrollen. Beim FC Bayern kommen die Kontrolleure etwa alle drei Wochen und testen drei bis zehn Spieler.

ZEIT ONLINE: Wissen Sie von Fußballern, die gezielt dopen?