Reibungspunkt ist das künftige Sonntagsspiel der Bundesliga um 15.30 Uhr, das in die Kernzeit des Amateurfußballs fällt. Die Klubs befürchten wegen der direkten Konkurrenz weniger Zuschauer und weniger Einnahmen. "Wenn Schalke um 15.30 spielen wird", sagt Reiner Grundmann, Vorsitzender des Kreisligisten SC Schaffrath, voraus, "stünde ich alleine auf unserem Sportplatz." Das Stadion des FC Schalke liegt einen Flankenball entfernt von Schaffrath, viele Schaffrather Spieler und Zuschauer sind Dauerkartenbesitzer. Gelsenkirchen, eine Stadt, zwei Welten, die eng verbunden sind.

Schaffrath ist Initiator des Aufstands der westfälischen Amateurvereine gegen das Fußball-Establishment. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), hatte den Protest vor vier Wochen noch als Sturm im Wasserglas abtun wollen. Am vorigen Sonntag jedoch fand eine Demonstration auf dem Sportgelände Löchterheide in Gelsenkirchen-Buer statt, an der mehr als 500 Menschen teilnahmen. Am Mittwoch wird der Sportausschuss des Bundestags die Sache debattieren.

Grundmann wird sprechen, ebenso Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der DFL. Die Verantwortlichen des FC Schalke 04 behaupten, den Protest zu respektieren und "im Dialog" mit den Amateuren zu bleiben, wie ein Pressesprecher mitteilt. Doch für die TV-Vermarktung der Bundesliga sei der neue Spieltermin enorm wichtig. Ähnlich sieht das Thomas Ernst, Vorstand des VfL Bochum: "Ich sehe die Gefahr nicht so groß, denn es handelt sich ja nur um ein Spiel." Bochum, Schalke und Dortmund waren per Brief zur Demonstration eingeladen worden, doch nicht erschienen. Nur Dortmund hatte abgesagt.

Eine Delegation des DFB traf sich vorige Woche mit den aufständischen Kreisligisten. DFB-Präsident Theo Zwanziger soll an die Amateure appelliert haben, die Anstoßzeiten flexibel zu handhaben. Etwa könne man an Werktagen spielen. Darauf wollen sich Grundmann und seine Leute nicht einlassen. An Werktagen arbeiten viele seiner Spieler. "Wir kämpfen um unsere Existenz", sagt er.

Die westfälischen Klubs versuchen, den öffentlichen Druck zu verstärken. "Wir haben einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um zu prüfen, ob wir gegen das Sonntagsspiel klagen können", sagt Eberhard Petri, Abteilungsleiter beim VfL Kamen. "Die Vereine müssen auf DFB, DFL und Politik einwirken. Der Flächenbrand muss groß werden", ergänzt er und beruft sich auf den Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL, in dem es heißt: "Der Ligaverband verpflichtet sich zum Schutz des Amateurfußballs, sonntags bis 17.30 Uhr möglichst keine Spiele der Bundesliga anzusetzen."

Der Protest findet Anhänger auch außerhalb des Ruhrgebiets. "Die Basis kommt nicht mehr zu Wort", kritisierte der Wiesbadener Kreisfußballwart Dieter Elsenbast auf der Demonstration. "Es muss sich verbandsübergreifend etwas tun." Erste Politiker haben sich ebenfalls solidarisiert. "Wir müssen deutlich machen, dass es nicht geht, dass die Spitze von DFB und DFL die gesellschaftspolitische Funktion des Sports in Sonntagsreden hervorhebt und am Ende nur der Mammon zählt", sagte Joachim Poß, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag, auf der Kundgebung.

Der hessische CDU-Politiker Hans-Jürgen Irmer und Vorsitzende des Verbandsligisten Eintracht Wetzlar, fordert eine "Demokratisierung des DFB und auch der Landesverbände". Für die Basis habe der DFB kein Verständnis, er habe sein Status als Vertreter der Amateurfußballer verspielt. Irmer sagte noch vor der Bundestagssitzung,  dem DFB gehe es nur noch ums Geld für die Großen.