"So geht es nicht weiter", sagte meine Liebste eines Abends, als wir am Ende unserer Kräfte den Wohnzimmerfußboden feudelten. "Wir arbeiten alle beide, wir haben ein Kind, wir kochen, wir essen, wir schaffen DAS nicht auch noch. Wir brauchen eine Putzfrau. Sofort!"

Eine zu finden, waren wir sicher, würde nicht allzu schwer sein, zumal wir uns in einem wichtigen Punkt einig waren: Keinesfalls würden wir irgendeine arme zwangsverheiratete Rumänisch-Inderin ohne Deutschkenntnisse illegal ausbeuten und beim ersten Krankheitstag oder dem zweiten übersehenen Schmutzrand fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Nein, wir würden unsere Haushaltshilfe anmelden, Urlaub, Steuern und Sozialabgaben bezahlen wie es sich gehörte, kurz: Wir würden in diesen harten Zeiten einen legalen Job schaffen. Zumindest einen 400-Euro-Job.

Gina aus dem Vorderhaus, in deren Wohnung es immer wie geleckt aussah, war die erste, der ich bei einem Treffen an den Mülltonnen unseren Plan mitteilte und fragte, ob sie uns ihre Haushaltshilfe weiterempfehlen könne.

"Sicher", sagte Gina und begann schnell, über das neueste Buch einer Schriftstellerin zu sprechen, eine Beziehungskomödie, sehr witzig, auch für Männer.

"Danke für den Tipp, Gina", sagte ich. "Und was deine Putzfrau angeht, glaubst du, du könntest ..."

"Apropos!", rief Gina, "ich muss noch einkaufen. Hätte ich fast vergessen! Bis baaald!"

"Seltsam", sagte meine Liebste. "Aber macht nichts. Ich habe in unserem Freundeskreis rumtelefoniert. Es gibt drei Putzfrauen, die gut sind, mit unseren Honorarvorstellungen einverstanden, und die noch Kapazitäten haben."

Die Kandidatinnen hießen Frau Volz, Ela und Mara. Frau Volz, die als erste zum Assesment-Center in unserem abendlichen Wohnzimmer erschien, war eine Dame um die 50. Um nach ihrer Scheidung eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, putzte sie seit Jahren bei unseren Bekannten, ohne jemals ein einziges Glas zerbrochen zu haben. Innerhalb weniger Minuten war sie unsere Wunschkandidatin und umgekehrt.

"Prima", sagte meine Liebste. "Dann können wir ja den Vertrag machen!"

"Vertrag?", fragte Frau Volz erbleichend.

"Keine Sorge", begann meine Liebste. "Wir übernehmen sämtliche Steuern und Sozialabgaben ..."

"Nein", unterbrach Frau Volz aufspringend. "Tut mir leid. So jemand bin ich nicht!"