Das Unglück von Köln hätte womöglich verhindert werden können: Der ehemalige Abteilungsleiter für Nachlässe, Sammlungen und Fotografie, Eberhard Illner, hat schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Arbeitgeber, die Führungsetage des eingestürzten Kölner Stadtarchivs erhoben. Die ganze Katastrophe sei "absehbar" gewesen, im Vorfeld habe es klare Warnungen gegeben.

So habe er selbst im Sommer 2008 Senkungsrisse im Keller festgestellt und diese Informationen auch weitergegeben. In der vergangenen Woche seien dann erneut Hinweise auf erhebliche Senkungsrisse aufgekommen. Noch am Dienstag sei ihm von der Stadt Köln bestätigt worden, dass diese Hinweise auch eingegangen seien: "Man wird also jetzt danach forschen müssen, wer dafür verantwortlich ist." Offenbar hat die Archivleitung die Risse zwar geprüft, aber ihre wahre Gefährlichkeit unterschätzt.

Nach Ansicht von Bauexperten könnte das Unglück aber auch mehrere Ursachen haben. "Oft kommen bei solchen Vorfällen verschiedene Dinge zusammen", sagte Klaus Kunkel, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall Anfang 2006. "Damals waren es nicht allein die Schneemassen, die zur Katastrophe führten."

So sei es auch denkbar, dass in Köln verschiedene Faktoren die globale Sicherheit der Gebäude beeinträchtigt hätten. Als Möglichkeiten kämen Bauarbeiten im Gebäude selbst ebenso in Betracht wie zum Beispiel Folgen einer Grundwasserabsenkung in Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau. Möglich sei auch eine außerplanmäßige oder nachträgliche Nutzungsänderung, durch die es zu einer Überlastung der Gebäudekonstruktion kommen könne.

Böll-Nachlass in den Trümmern