Bis Mitte Februar hatte Tim Finchem ein Problem. Der Direktor der PGA-Tour, einer professionellen Serie von Golfturnieren, musste fürs kommende Jahr mindestens 15 Groß-Sponsoren finden. 40 Prozent der bisherigen Geldgeber sind Banken und Autohersteller, zwei Branchen, die von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen wurden. Finchem stand vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe, dann gab Tiger Woods bekannt, in dieser Woche bei der Matchplay-Championship in Arizona seine Golfpause zu beenden. Der Star der Szene war 253 Tage von der Showbühne verschwunden, da er sich einer Kreuzband-Operation unterziehen musste. Während seiner Abstinenz sanken Zuschauerzahlen und das Sponsoreninteresse - zugleich wuchsen die Sorgen von Tim Finchem. Doch jetzt ist der Held zurück, Sponsoren und damit eine ganze Sportart sind erleichtert.

Von einem der spannendsten Tage in der Geschichte des Golfsports sprachen die Reporter im US-Fernsehen. Im Studio des Golf Channels zählten sie die Stunden, Minuten und Sekunden herunter. Als Woods am Mittwoch für seinen ersten Abschlag das Grün betrat, war der Jubel so groß wie bei seinem letzten Put im Juni 2008, als der Amerikaner die US Open gewonnen hatte. Dann schied der Heilsbringer in der zweiten Runde gegen den weitgehend unbekannten Südafrikaner Tim Clark aus. Doch: So schlimm war das nicht.

Tim Finchem, viele Golffans, Programmdirektoren, Produktionsfirmen und PR-Agenturen sind erleichtert. Während die amerikanische Wirtschaft auf Konjunktur-Programme aus Washington angewiesen ist, um die Rezession zu überstehen, hat die Golfbranche ihren Retter gefunden. Woods ist das, was Barack Obama derzeit so dringend sucht: ein Stimulus der Wirtschaft.

Die Mehrheit der Golffans in den USA interessiert sich nur für ihn. Wenn der Weltranglisten-Erste nicht zum Schläger greift, greifen sie nicht zur TV-Fernbedienung. Als Woods im Juni 2008 mit starken Knieschmerzen bei den US Open triumphierte und somit ein weiteres Helden-Kapitel seiner Karriere schrieb, schalteten mehr US-Haushalte ein, als bei den gleichzeitig stattfindenden Finalspielen der Basketball-Liga NBA. Als Woods anschließend erklärte, er werde sich umgehend einer Kreuzband-Operation unterziehen, war nicht nur für ihn sondern auch für das Gros der Fans die Golfsaison beendet – im Juni.

Bei der PGA-Championsship, einem der vier bedeutendsten Turniere, schalteten 55 Prozent weniger ein als noch 2007. Damals hieß der Sieger Tiger Woods. Beim AT&T National, einem Turnier, das Woods einst zugunsten seiner Stiftung gegründet hatte, gingen die Einschaltquoten um 48 Prozent zurück. Gleiches ist in diesem Jahr ausgeschlossen: Gastgeber Woods ist wieder dabei. Auf der Turnier-Homepage läuft bereits der Countdown – noch 123 Tage.

Keine Sportart ist von einem Athleten so abhängig wie Golf von Woods. Er ist seit mehr als einer Dekade die Personifizierung des Golfsports. "Wenn Tiger eine Aktie wäre, würde an der Börse ein Hype herrschen, wie seit Jahren nicht mehr", schrieb die Washington Post bereits im August 1996, kurz nach seinem Profi-Debüt. Bob Williams, Präsident der Talente-Agentur Burns Sports Celebrity, prophezeite zur selben Zeit, dass Woods diesen "elitären Sport des weißen Mannes" ändern könnte.