Es war wie eine Erlösung, Aktienhändler und Banker atmeten erstmals seit Monaten wieder richtig auf. Positive Nachrichten aus der Citigroup ließen die Kurse der Bankaktien in die Höhe schießen – und auch der Dow schloss mit 5,8 Punkten im Plus. In Frankfurt ließ ein Kursfeuerwerk bei den Finanzwerten den Dax am Dienstag um 5,3 Prozent steigen.

Nachhaltig war die Euphorie jedoch nicht: Am Mittwoch sank der deutsche Leitindex wieder. Zwar stiegen Bankaktien weiterhin stark im Kurs, so die Titel der Deutschen Bank um rund 16 Prozent und die der Commerzbank um knapp 15 Prozent. Doch sie konnten die Verluste anderer Papiere nicht ausgleichen. Im frühen Handel notierte der Dax 1,1 Prozent im Minus.

Die hohe Nachfrage nach Bankaktien war durch eine interne Mail von Citigroup-Chef Vikram Pandit ausgelöst worden, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Ihr zufolge hat die einst weltgrößte Bank im Januar und Februar schwarze Zahlen geschrieben. Auch interne "Stress-Tests" mit sehr pessimistischen Annahmen hätten ergeben, dass die Citigroup über genügend Kapital verfüge, hieß es in dem Schreiben. Die Aktie von Citigroup schoss daraufhin 38,1 Prozent auf 1,45 Dollar in die Höhe. In der vergangenen Woche war das Dividendenpapier erstmals unter einen Dollar gefallen.

Zwar gab es auch negative Nachrichten, doch die wurden von den Börsianern ignoriert. Das Wall Street Journal hatte berichtet, die amerikanische Regierung denke über weitere Hilfen für die angeschlagene Citigroup nach. Selbst wenn die Botschaft von Pandits Mail sich durch offizielle Zahlen bestätigen sollte: Die bereits angefallenen Verluste dürften durch zwei gut verlaufene Monate kaum ausgeglichen werden.

Dennoch: "Der Markt interpretiert Citigroup als positive Nachricht. Das ist wie eine kleine Pause in der negativen Rhetorik, die bisher aus Washington kam", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt von Avalon Partners. Die gesamte Finanzbranche atme nach den Aussagen Pandits durch, erläuterte Händler Michael James die Kursgewinne. So kletterten die Papiere der Bank of America um rund 27,7 Prozent, die von JPMorgan um 22,6 Prozent und die von Wells Fargo um 18,5 Prozent. Die Papiere von Versicherungsgigant AIG und die zuletzt arg unter Druck geratenen Aktien des Mischkonzerns General Electric schossen jeweils rund 20 Prozent nach oben.