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Er ist unbestritten der erfolgreichste Quizmaster Deutschlands: Wer wird Millionär?, Die SKL-Show, 6! Setzen – mit Günther Jauch wird jede Wissenssendungen zum Erfolg. Rätseln und Raten sind dank seiner wieder In. Das fand auch die Zeitschrift Superillu und bildete den Moderator 2005 auf dem Cover eines Rätselheftes ab. Darüber stand: "Günther Jauch zeigt mit Wer wird Millionär?, wie spannend Quiz sein kann"

Jauch jedoch freute sich keineswegs über die positive Bewertung seiner Moderationsqualitäten. Im Gegenteil: Er warf der Zeitschrift vor, mit seinem Konterfei Werbung zu machen, wofür er nicht bezahlt wurde.

Jauch klagte vor dem Hamburger Oberlandesgericht auf Zahlung einer fiktiven Lizenzgebühr in Höhe von 100.000 Euro – und scheiterte 2006. Nun entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe neu. Es gab dem Moderator Recht.

In der Begründung heißt es, dem Rätselheft fehle journalistischer Inhalt, das Blatt habe lediglich den Werbe- und Imagewert von Jauch benutzt. Der Betitelung des Jauch-Bildes fehle ein substanzieller Zweck, sagte der BGH-Senatsvorsitzende Joachim Bornkamm.

Das Hamburger Gericht hatte drei Jahre zuvor eben diese Betitelung als journalistischen Beitrag angesehen. Hätten die Karlsruher Richter ebenso entschieden, hätte Jauch sich mit der Abbildung seines Fotos abfinden müssen. So aber fällt der Abdruck nicht unter die Pressefreiheit.

Jauch kämpfte einmal mehr um die Wahrung der eigenen Privatsphäre. Der Moderator befindet sich in guter Gesellschaft. Wenn es um den rechtmäßigen Abdruck von Fotos geht, geraten Prominente und Medien häufig aneinander. Oliver Kahn, Caroline von Monaco, Stefan Raab - unzählige Prominente haben sich schon vor Gericht dagegen gewehrt, dass Fotos aus ihrem privaten Leben abgedruckt wurden. Manche Klagen waren erfolgreich, andere nicht. Gemeinsam ist all diesen Fällen das ambivalente Verhältnis von Prominenten und Medien: Sie brauchen sich.

Doch manchmal hassen sie sich auch. Die Presse zeigt die prominenten Gesichter, um das öffentliche Interesse am Leben der Stars und Sternchen zu befriedigen oder die Politikprominenz kontrollierend während ihrer Arbeit zu beobachten. Die Prominenten ihrerseits sind ebenfalls auf die Medien angewiesen - erst durch ihre Berichterstattung werden Otto-Normal-Verbraucher zu Superstars, werden Königshäuser weltweit bewundert und finden Botschaften von Politikern Beachtung.

Das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis funktioniert oft und lange sehr gut. Es endet jedoch abrupt, wenn Prominente sich zu sehr beobachtet fühlen und man sich nicht mehr einig ist, wo die Pressefreiheit aufhört und das Persönlichkeitsrecht beginnt. "Ich habe Verständnis dafür, dass Prominente genervt sind, wenn das Blitzlichtgewitter nicht endet. Dass sie sich diesen Bereich freizukämpfen versuchen, ist völlig verständlich", sagt Dorothee Bölke, Rechtsanwältin und Medienberaterin aus Hamburg.

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"Andererseits muss man sich davor hüten, dass das auf Dauer zulasten berechtigter Argumente der Medien geht", warnt sie. "Die Pressefreiheit steht in solchen Prozessen dem Persönlichkeitsrecht gegenüber. In den vergangenen Jahren hat sich der Trend insgesamt leider eher zulasten der Pressefreiheit entwickelt."

Auch der Münchener Medienrechtsfachmann Stefan Söder sieht die Freiheit der Presse häufiger in ein enges Korsett geschnürt. "Die Rechtsprechung ist in den vergangenen Jahren schon strenger geworden, weshalb die Medien gehemmter mit der Abbildung von Prominenten umgehen. Außerdem sind viele Prominente auch wehrfähiger geworden und wollen ihre Privatsphäre um jeden Preis schützen", so sein Eindruck.

"Ich denke, Richter müssen aber einsehen, dass es bei einer bestimmten Gruppe von Menschen ein Interesse gibt, das über klassische Nachrichten hinausgeht. Natürlich interessiert es viele Menschen, welche Kleidung prominente Frauen diese Saison tragen oder wie ein Promi sich in einer bestimmten Situation verhält. Da entscheiden Gerichte meiner Meinung nach häufig viel zu engherzig."

Diese Engherzigkeit mag vor allem daher kommen, dass die Richter heute viel differenzierter entscheiden, was Privatsphäre ist und was nicht. Ein und dasselbe Foto eines Prominenten kann vor Gericht völlig unterschiedlich bewertet werden.

Ein Beispiel: 2007 klagte Caroline von Monaco gegen veröffentlichte Fotos, auf denen sie in ihrem privaten Skiurlaub in St. Moritz zu sehen war. Die Unterschrift des Bildes bezog sich darauf, dass Caroline Urlaub mache, obwohl es ihrem schwerkranken Vater Fürst Rainier gesundheitlich sehr schlecht ginge. Die Richter wiesen die Klage Carolines in diesem Fall zurück, denn die Krankheit ihres Vaters sei von allgemeinem Interesse.

In einem anderen Fall wurde ein fast identisches Bild mit einer Bildunterschrift gezeigt, die sich auf den bevorstehenden Rosenball in Monaco bezog. In diesem Fall gaben die Richter Caroline Recht: Es gab keinerlei Bezug zu einem Thema von allgemeinem Interesse, der Abdruck des Bildes war somit rechtswidrig.

Medienberaterin Bölke hofft darauf, dass neue Parameter für die Beurteilung von Persönlichkeitsrechten Einzug in deutsche Gerichte finden. "Viele Prominente vermarkten so offensiv ihre Persönlichkeitsrechte, dass sie sich nicht einfach so auf den Schutz dieser Rechte nach bekannten Kriterien berufen können, wenn es ihnen gerade passt", erklärt sie. "Aber ich bin verhalten optimistisch. Die Rechtssprechung ist mittlerweile ein wenig in Bewegung."

Jauch kann diese Einschätzung – zumindest heute – gleich sein. Nach einigen erfolglosen Klagen um den Abdruck verschiedener Fotos war er am Mittwoch nun erfolgreich. Jauchs Frau hat es ihm gleichgetan: Wie das Kölner Oberlandesgericht ebenfalls am Mittwoch entschied, muss der Burda-Verlag seine Ehefrau Thea mit 15.000 Euro für den Abdruck eines Hochzeitsfotos in der Freizeit Revue entschädigen. Die Veröffentlichung verletze das Persönlichkeitsrecht der Klägerin "schwerwiegend und schuldhaft" – schließlich habe das Paar in privatem Rahmen heiraten wollen. Am heutigen Tag siegen die prominenten Jauchs auf ganzer Linie.