"Wenn der Reiche abmagert, verhungert der Arme." Diese Weisheit des französischen Schriftstellers Alphonse Allais könnte sich in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise leider bewahrheiten. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich die Finanzkrise von den USA und Europa auf die gesamte Weltwirtschaft übertragen, und auch Schwellen- und Entwicklungsländer sind in den Abwärtsstrudel geraten.

Nach Schätzungen der Weltbank werden durch den durch die Krise verursachten Wachstumsrückgang in Entwicklungsländern 53 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag fallen – zusätzlich zu den 130 bis 155 Millionen, die im Jahr 2008 durch die Lebensmittelpreis- und Energiekrise zurück in die Armut gestoßen wurden.

Die Krise trifft Entwicklungs- und Schwellenländer unterschiedlich hart. Grundsätzlich gilt: Je stärker sich ein Land in die Weltwirtschaft integriert hat, indem es sich am internationalen Handel oder den internationalen Finanzmärkten beteiligte, desto mehr bekommt es nun die Schattenseite der Globalisierung zu spüren.

Während sich insbesondere Schwellenländer zu günstigen Konditionen auf den internationalen Finanzmärkten refinanzieren konnten, haben sich die Finanzierungsbedingungen seit Sommer 2008 durch das Gefrieren der internationalen Kreditmärkte dramatisch verschlechtert. Zudem haben Finanzinstitute und Anleger aus den Industrieländern wegen Liquiditätsengpässen in großem Maße Kapital aus Schwellenländern abgezogen.

Der Abzug von Kapital hat insbesondere Länder hart getroffen, die ihr Wachstum über einen stetigen Zufluss von günstigem Kredit finanziert haben, darunter eine Reihe von ost- und zentraleuropäischen Ländern, die baltischen Staaten sowie Schwellenländer in Asien und Lateinamerika.

Das Institute of International Finance erwartet einen Rückgang der privaten Nettokapitalzuflüsse in Schwellenländer von 929 Milliarden Dollar 2007 auf nur noch 165 Milliarden Dollar im laufenden Jahr – ein Rückgang von 82 Prozent innerhalb von zwei Jahren. In Anbetracht der Tatsache, dass praktisch alle Industrieländer in den kommenden Monaten große Summen auf den Kapitalmärkten aufnehmen werden, um ihre nationalen Rettungspakete zu finanzieren, ist absehbar, dass sich der Zugang zu Kapital für viele Schwellenländer weiter erschweren wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) musste Ungarn, Ukraine, Island und Pakistan bereits mit etwa 50 Milliarden Dollar an Notkrediten unterstützen, und weitere Länder werden folgen.