ZEIT ONLINE: Ist das Internet stabil?

Andy Müller-Maguhn: Das Internet ist ein komplexes Netz aus verschiedenen Komponenten. Einerseits sind das physikalische Komponenten, wie Glasfaserleitungen. Dazu kommen logische, wie das Domain-Name-System . Die Bezeichnung "stabile Fragilität" wäre daher wohl korrekter. Wobei es ein Wunder ist, dass das überhaupt alles funktioniert. Das Netz läuft auch nicht einfach. Dafür arbeiten sehr viele Leute jeden Tag, suchen Botnetze , schreiben Patches .

Das Netz am Laufen zu halten ist seit Ende der neunziger Jahre noch viel mühsamer, weil es seitdem so etwas wie ein weltweiter Truppenübungsplatz ist. Information-Warfare-Departments aller Länder tummeln sich dort. Denn im Internet braucht man keine Millionen teuren Waffen, sondern nur ein paar Computer, um auszuprobieren, wie viel Schaden sich mit Exploits oder Denial-of-Service-Attacken anrichten lassen, um gegnerische Strukturen auszuspähen oder lahmzulegen.

ZEIT ONLINE: Das heißt, die täglichen Spam-Angriffe – auch auf militärische Operatoren – bedrohen das Netz schon heute?

Andy Müller-Maguhn: Ich mag den Begriff "bedrohen" nicht, das klingt mir zu bedrohlich. Aber ja, sie interferieren mit dem Vorhaben, ein stabiles Netz zu betreiben.