Von vielen Seiten ist Angela Merkel (CDU) in jüngster Vergangenheit Führungsschwäche vorgeworfen worden. Nun hat die Kanzlerin zu aktuellen Fragen Stellung genommen. Mittels eines Interviews mit der Bild-Zeitung versucht sie, der Kritik gegenzusteuern. Darin hat sie sich zur Finanz- und Wirtschaftskrise, zu dem angeschlagenen Autokonzern Opel, zu innerparteilichen Reibereien sowie der Auseinandersetzung mit der SPD geäußert.

Sie kündigte einen harten, aber sachlichen Wahlkampf an. "Vor der Krise oder jetzt: Mit mir wird es immer nur einen klaren, durchaus auch harten, aber im Ton sehr sachlichen Wahlkampf geben." Die Union werde ihre Ziele im Unterschied zu den Sozialdemokraten "sehr deutlich machen". Dafür müsse ihre Partei jetzt aber zur Geschlossenheit zurückkehren: "Denn wenn die Menschen nicht wissen, was wir wollen, werden sie uns nicht wählen."

Die Vorwürfe, sie würde als CDU-Vorsitzende die Werte und Überzeugungen ihrer Partei nicht ausreichend genug verteidigen, wies Merkel von sich. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günter Oettinger hatte sie aufgefordert, möglichst rasch "die Uniform der Kanzlerin abzulegen und die Uniform der Parteichefin" anzuziehen, also schon jetzt verstärkt Wahlkampf für die CDU zu machen. Dazu sagte Merkel: "Ich trage keine Uniformen, schon deswegen passt sein Bild nicht. Wenn ich Parteivorsitzende bin, lege ich meine staatliche Verantwortung nicht ab. Und umgekehrt bin ich in allem, was ich als Kanzlerin tue, immer auch CDU-Parteivorsitzende."

Im Ringen um eine Lösung für den angeschlagenen Autohersteller Opel hat die Kanzlerin ihre Position bekräftigt: Nur auf der Grundlage eines überzeugenden Zukunftskonzepts könnte das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen mit staatlicher Hilfe rechnen. "Wir werden Unternehmen wie Opel unterstützen, wenn unsere Hilfen diesen Betrieben eine gute Zukunft sichern können und nicht nur wirkungslos verpuffen, weil ein Unternehmen am Markt gescheitert ist". Deshalb sei es wichtig zu prüfen, wie ein Unternehmen vor der Krise eigentlich dagestanden habe. "Scheinhilfen wie vor einigen Jahren beim Baukonzern Holzmann retten die Arbeitsplätze nicht und hinterlassen dann eine umso größere Enttäuschung."

Vor einer Entscheidung über deutsche Staatshilfen seien zudem wichtige Weichenstellungen in den USA nötig, sagte die CDU-Chefin weiter. So müsse klar sein, wie es mit dem Mutterkonzern General Motors weitergehe und welche Eigenständigkeit er Opel geben könne. Auch die Frage des Umgangs mit den Opel-Patenten müsse geklärt sein.

In solchen Staatseingriffen in die Wirtschaft sieht Merkel aber eine Ausnahmesituation und will so schnell wie möglich wieder auf den wirtschaftspolitischen Kurs zurückkehren, der vor der Krise galt. "Die Exzesse der Märkte, die die Krise ausgelöst haben, zwingen uns dazu, Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun würden. Am Ende dieses Prozesses können wir die alten Grenzen der Sozialen Marktwirtschaft wieder ziehen."

Merkel warnte vor einer Überforderung des Staates. "Wir werden nicht alle Wünsche erfüllen können", betonte sie. Die Staatsfinanzen und die Spielräume der nächsten Generationen dürften die Entscheidungsträger nicht aus den Augen verlieren. Deshalb müsse man auch in der "schwersten Wirtschaftskrise seit 1945" Maß halten. "Sicher ist für mich aber auch: Deutschland ist besser als die meisten Länder in der Lage, diese Krise zu meistern."