Nordirland steht unter Schock. Innerhalb von 48 Stunden haben zwei Splittergruppen der IRA drei Menschen ermordet. Politiker aus Großbritannien und Irland riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf. Ihre Botschaft: Gewalt will eine winzige Minderheit von Terroristen, die Mehrheit der Bevölkerung will den Frieden.

Doch in Lismore Manor im nordirischen Craigavon sieht das anders aus. In der Siedlung, die in einer beschaulichen Hügellandschaft liegt, wurde am Montag ein 48-jähriger Polizist erschossen. Polizisten patrouillieren nun durch die Siedlung. Still at war   - noch immer im Krieg, steht auf einer Hausfassade. An zahlreiche andere Häuserwände hat jemand die Silhouette eines Scharfschützen gesprüht. Nach Angaben der Behörden war es ein Scharfschütze, der den Polizisten erschoss. Es scheint so, als wollten zumindest einige in der Siedlung sagen: Ja, das waren wir! Der Schriftzug "C.I.R.A" ist häufig in Lismore Manor zu lesen. Die Abkürzung steht für Continuity IRA . Diese Gruppe hat sich zu dem zweiten Attentat bekannt.

Die Menschen auf der Straße misstrauen der Polizei, Bewohner und Beamte beäugen sich skeptisch. "Wir sind hier katholisch und wollen Irland vereinigen", sagt ein etwa 30-jähriger Mann im Kapuzenpullover. Seinen Namen will er nicht nennen. Auf die Frage, ob man das Attentat auf den Polizisten für eine gute Sache halte, antwortet er: "Das ist hier ziemlich gemischt."

Rund 20 gepanzerte Polizeibusse stehen in der Siedlung, im Laufe des Nachmittags nimmt die Polizei zwei Bewohner mit zum Verhör. Am Abend zünden Jugendliche in Craigavon Reifenstapel an. Polizisten durchsuchen zwei Häuser.

Father Martin McCalindan, Priester an der katholischen Kirche in Lismor Manore, fürchtet den Ausbruch von neuen Unruhen © Benjamin Hammer/​ZEIT ONLINE

katholischen Kirche. "Wir wollen nicht zurück in die Vergangenheit." Eigentlich sei doch alles so schön in Craigavon, in den meisten Teilen der Stadt wohnten Katholiken und Protestanten friedlich zusammen.

"Wie in einem Albtraum" sei es gewesen, als er von dem ersten Anschlag hörte, sagt Martin McCalindan, Priester der örtlichen

Im Westen Belfasts hingegen bleibt die Gesellschaft gespalten. Um die Falls Road herum wohnen Katholiken, ein paar hundert Meter weiter, getrennt durch einen Zaun, Protestanten in der Shankille Road. West-Belfast war immer so etwas wie das Epizentrum des Konfliktes, den man hier nur The Troubles nennt. Über 3500 Menschen starben in dem Bürgerkrieg auf beiden Seiten. Früher kam es hier in der Gegend häufig zu Gefechten und Anschlägen. Bis heute meiden die beiden Religionsgruppen sich.