Irgendwann, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt hat, wird man sich sicher fragen, wer denn nun die größten Profiteure der Krise waren. Und Holger Apfel hofft, dass sein Name dann fällt. Vielleicht hofft er auch, dass der von Udo Voigt fällt, seinem Parteivorsitzenden, der an diesem Sonntag mit auf dem Podium beim Landesparteitag der rechtsextremen NPD im barocken Festsaal des Gasthaus "Wildberg" bei Meißen sitzt.

"Wir wären töricht, wenn wir die Finanzkrise nicht in die Mitte unseres Wahlkampfes rücken würden", ruft Apfel in seiner Rede als Fraktionschef der NPD im Sächsischen Landtag den Delegierten zu. Schließlich ist der Wiedereinzug in den sächsischen Landtag, in dem die NPD 2004 mit 9,2 Prozent der abgegeben Stimmen eingezogen ist, das wichtigste Ziel der Partei in diesem Superwahljahr. An die Bundestagswahl glaubt hier niemand, soviel Realitätssinn herrscht auch bei den Ideologen, die daran glauben, dass sie irgendwann stark genug sind, die Demokratie abzuschaffen.

"Ein Parlament ist Mittel zum Zweck" – und der liege für seine Partei nicht in der Gestaltung der Demokratie, sondern in der Überwindung des Systems, steigert sich Apfel. Inzwischen hat er dreimal den Begriff "sächsischer Landtag" durch "Schwatzbude" ersetzt, und jedes Mal haben die Delegierten unter der bemalten gewölbten Holzdecke applaudiert. In den Wahlkampfreden der NPD steckt immer reichlich Weimarer Republik. Damals brachte auch die Wirtschaftskrise den entscheidenden politischen Umschwung. "Noch nie waren die Bedingungen für uns so günstig, wie gegenwärtig", so Apfel.

Wäre da nicht der innerparteilich Streit, der die NPD dauerhaft auf die Zerreißprobe stellt. So haben die Herren auf dem Podium wegen der eigenen Krise, einem Finanzskandal, die allgemeine Finanzkrise bitter nötig. Mathias Faust, neuerdings Vorsitzender der Deutschen Volks Union (DVU), muss sich schon zwischen Apfel und Voigt setzen, damit die Enttäuschung des langjährigen Vorsitzenden über den Hoffnungsträger und einstigen Kronprinzen nicht zu deutlich wird.

Zum Jahreswechsel hatte Apfel sich aktiv an einem Putschversuch gegen Voigt beteiligt. "Das hat mich schon sehr tief enttäuscht", sagt Voigt immer noch, "was aber nicht heißt, dass wir nicht mehr zusammen arbeiten können. Das Vertrauen von früher ist aber weg." Dennoch sind Voigts Aussichten auf eine Verteidigung seines Amtes beim ausstehenden Bundesparteitag wieder gestiegen. Anfang April soll die Entscheidung fallen, wenn es nach der NPD geht in Berlin.

Hier in Meißen hielten sich seine Widersacher bedeckt, oder reisten erst gar nicht an. Von der sächsischen Basis war verhaltene Zustimmung für Voigt zu hören. "Bei uns im Erzgebirge unterstützen wir ihn zu siebzig Prozent", hieß es dort. Die eigentliche Überraschung aber ging von Andreas Molau aus, der Voigt zunächst herausgefordert hatte, seine Ambitionen auf den Parteivorsitz aber im Februar schon wieder zurückgezogen hatte. "Andreas Molau hat sich in den vergangenen Tagen für uns entschieden", frohlockte nun Mathias Faust von der DVU in Meißen. Auch Udo Voigt erfuhr das erst hier. Es war die einzige Neuigkeit an diesem Tag.