Kaum ein Verbrechen löst so unmittelbar einen Schock aus wie ein Amoklauf. Die Tat von Winnenden ist ein besonders extremes Beispiel, weil der Täter nicht nur in seiner ehemaligen Schule wütete, sondern seinen Todeszug durch die ganze Gemeinde fortführte. Auf der Flucht erschoss er einen zufällig vorbeikommenden Mann auf gem Gelände des psychiatrischen Landeskrankenhauses, bei einem Autohaus in Wendlingen starben zwei weitere Passanten. Hier steht wirklich eine ganze Stadt unter Schock.

Während die Öffentlichkeit noch über die Motive des Täters rätselt, hat sich das Leben der Opfer innerhalb von Sekunden verändert. Gerade bei einer Tat, in die so viele Unbeteiligte und Passanten hineingezogen wurden, ist psychologische Nachsorge kaum unwichtiger als die Erste Hilfe am Unfallort. Auch in Winnenden war schon kurz nach den tödlichen Schüssen ein Krisenteam aus geistlichen Seelsorgern, Rot-Kreuz-Mitarbeitern und Polizeipsychologen im Einsatz, um die Überlebenden zu betreuen.

Christian Tsalos, Sprecher der Evangelischen Landeskirche Württemberg, ist selbst erschüttert: "So etwas habe ich noch nie erlebt, und ich habe auch noch keinen Menschen getroffen, der Ähnliches gesehen hat." Mehr als 15 Notseelsorger habe die Landeskirche gemeinsam mit den Polizeibeamten an die Einsatzorte geschickt, alle Pfarrer befänden sich in Rufbereitschaft.

"Bei der Erstnotfallseelsorge geht es darum, den unmittelbar Betroffenen, den Verwundeten sowie ihren Angehörigen zur Seite zu stehen", sagt Tsalos. Dazu gehörten auch die Eltern des Attentäters. Sie seien in diesem Fall die Ersten gewesen, die von einem Notfallteam aufgesucht wurden. Auch wenn die Polizeibeamten schon längst wieder im Einsatz seien, blieben die Seelsorger bei den Angehörigen der Todesopfer, bis diese Unterstützung aus ihrer Familie oder fachärztliche Hilfe erhielten.