Nach eingehender Prüfung sehe die Hamburger Staatsanwaltschaft von der weiteren strafrechtlichen Verfolgung der neun Somalier ab, sagte Behördensprecher Wilhelm Möllers am Samstagabend.

Diese hatten die Besatzung des Frachters "MV Courier" der deutschen Reederei Gebrüder Winter vor dem Horn von Afrika angegriffen. Das Schiff, das unter der Flagge von Antigua und Barbuda fährt, funkte am Dienstag SOS. Der Kapitän meldete, dass Piraten die "MV Courier" mit Schnellfeuerwaffen und eine Panzerfaust unter Beschuss genommen hätten.

Ein amerikanisches und ein deutsches Kriegsschiff setzten dem Angriff mit ihren Bordhubschraubern ein Ende. Nach Warnschüssen aus den Helikoptern gaben die Seeräuber auf. Deutsche Marinesoldaten nahmen die somalischen Seeräuber fest.

Die auf der Fregatte "Rheinland-Pfalz" festgesetzten Tatverdächtigen sollen laut Behördensprecher Möller nun nach Kenia überstellt werden. Dies sei kurzfristig möglich. Deshalb würden "die Beschuldigten nicht weiter wegen eines gemeinschaftlichen Angriffs auf den Seeverkehr von der Staatsanwaltschaft Hamburg in Deutschland verfolgt", hieß es.

Auch in Kenia seien nach Erkenntnissen der Hamburger Behörde "Mindeststandards bei der Durchführung eines Strafverfahrens" gesichert, sagte Möllers. Das Bundesjustizministerium habe der Staatsanwaltschaft dazu umfangreiche Informationen übermittelt.

"Nach Abwägung aller Interessen sowie unter enger Einbindung von vier Bundesministerien besteht ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung damit nicht mehr", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Hamburger Amtsgericht hatte am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen die Piraten erlassen.