Mit den Gesetzlosen der Ozeane kannte die britische Marine bis in das 19. Jahrhundert hinein keine Gnade: Auf hoher See wurden sie am Mast aufgeknüpft oder in Ketten gelegt. In London oder in den Kolonien fällten die Richter dann meist ein hartes Urteil: An den Galgen mit den Piraten! Anschließend wurden die toten Körper geteert und zur Warnung an die Seefahrer an der Hafeneinfahrt in Eisenkäfigen aufgehängt. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei.

Die Piraterie dauert aber an. Wie gefährlich die Seefahrt heute noch sein kann, erlebte die Besatzung des Frachters MV Courier der deutschen Reederei Gebrüder Winter. Das Schiff, das unter der Flagge von Antigua und Barbuda fährt, funkte am Dienstag SOS. Der Kapitän meldete, dass Piraten die MV Courier mit Schnellfeuerwaffen und eine Panzerfaust unter Beschuss genommen hätten.

Ein amerikanisches und ein deutsches Kriegsschiff setzten dem Angriff mit ihren Bordhubschraubern ein Ende. Nach Warnschüssen aus den Helikoptern gaben die Seeräuber auf. Deutsche Marinesoldaten nahmen neun somalische Seeräuber fest. Ein Erfolg für die deutsche Marine, doch nun fragen sich die Soldaten, was sie mit ihren Gefangenen anfangen sollen.

Denn sie wissen nicht, wo die somalischen Seeräuber inhaftiert werden sollen. Die Bundesregierung muss nun entscheiden, was mit den Seeräubern passieren soll. Am Dienstag tagten Vertreter aus dem Auswärtigen Amt und den Ministerien für Verteidigung, Justiz und Inneres, um festzulegen, wie es mit den Piraten weitergehen soll. Heraus kam dabei wenig.

Experten der Ministerien prüfen weiterhin, ob die Seeräuber an einen Drittstaat ausgeliefert werden können. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat die Ermittlung aufgenommen. Die Regierung will die Ermittler unterstützen, doch ob ein deutscher Staatsanwalt nach Ostafrika fliegt, ist ungeklärt. "Wir betreten absolutes Neuland, sind aber nicht unvorbereitet", sagt Wilhelm Möllers. Ein Problem sei, dass die Piraten einem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Eine Audio- oder Videokonferenz reicht nicht aus - die Seeräuber müssen persönlich vor einem Richter erscheinen.

Da die Marine an Bord des Piratenbootes eine Panzerfaust, Geschosse, Kalaschnikows und selbstgebaute Enterhaken gefunden hat, dürften die Ermittlungen zügig abgeschlossen werden – sollte die Staatsanwaltschaft Hamburg die Ermittlungen vor Ort aufnehmen. Nach Deutschland sollen die neun Männer nicht kommen, hieß es aus dem Innenministerium. Nach Somalia können die Männer nicht ausgeliefert werden, weil das dortige Justizsystem keinen internationalen Standards folgt. Und mit den Nachbarländern Somalias bestehen keine Auslieferungsabkommen. Die nächsten Tage werden die Männer auf jeden Fall an Bord der Fregatte bleiben.

Das Schiff ist noch auf hoher See. Die Seeräuber sind am Oberdeck untergebracht, geschützt mit einer Zeltplane. "Die Männer kommen nicht unter Deck. Es wurde eine Art Dixi-Klo aufgestellt", sagte ein Sprecher der Marine. "Viel Erfahrung haben wir in dieser Sache nicht. Wir setzen ja nicht täglich Piraten fest." Was mit den Gefangenen passieren wird, wenn die Rheinland-Pfalz in Djibuti einläuft, kann und will in den beteiligten Ministerien momentan niemand sagen.