Der erste Notruf bei der Polizei in Waiblingen geht um 9.33 Uhr ein, dann werden es immer mehr. Sie werden von Handys aus abgesetzt, die Schülern der Albertville-Realschule in Winnenden gehören. Eine Interventionsgruppe der Polizei eilt um 9.35 Uhr durch den Haupteingang ins Gebäude. Die Beamten hören noch Schüsse im ersten Stockwerk.

Am Treppenabsatz weiter oben erscheint kurz eine Gestalt in militärischer Kleidung, sie feuert auf die Polizisten und stürmt durch den Flur davon. Die Beamten folgen ihr. Sie treten auf eine Vielzahl verstreut liegender leerer Patronenhülsen. So erläutert es am Abend die Polizei.

Der Täter, ein 17-Jähriger aus einer Gemeinde namens Leutenbach schoss mit einer Pistole, Marke Beretta. Sie gehört  seinem Vater, der Mitglied in einem Schützenverein ist. Der Jugendliche kennt die Albertville-Realschule gut, im Jahr 2008 verließ er sie selbst mit einem passablen Abschlusszeugnis. Lehrer beschreiben den Jugendlichen als unauffällig.

15 Schusswaffen besitzt der Vater, alle ordnungsgemäß registriert. 14 der Waffen liegen in einem Tresor verschlossen, nur eine Pistole bewahrt der Mann stets in einer Schublade im Schlafzimmer auf. Sie nimmt der Sohn an sich, zusammen mit weit mehr als 100 Schuss Munition, die ebenfalls unverschlossen in der Wohnung aufbewahrt wird.

Die Opfer des Täters sterben in zwei Klassenzimmern des Obergeschosses und in einem Physikraum. Im ersten Klassenzimmer streckt der Schütze fünf Schüler nieder, im zweiten zwei Schüler. Im Physikraum sieht er eine Lehrerin und feuert. Sie bricht hinter einem Experimentiertisch zusammen.

Als die Polizei eintrifft, begegnen dem flüchtenden Schützen auf dem Flur zwei weitere Lehrerinnen. Auch sie erschießt er. Von zwei weiteren Schülern, die auf dem Weg in eine Klinik sterben, kann im Lauf des gestrigen Tages nicht mehr geklärt werden, in welchen Zimmern sie waren.

Kaum eines der neun Opfer hatte eine Überlebenschance. Der 17-Jährige tötete mit gezielten Kopfschüssen. Sieben weitere Schülerinnen überleben verletzt, sie sind mittlerweile außer Lebensgefahr: Es sei auffällig, sagt die Polizei, dass nur ein Junge, aber acht Mädchen zu Todesopfern wurden, die meisten deutscher Nationalität. Frauenhass ist eines der möglichen Motive, denen die Ermittler nachspüren. Doch der Verdacht ist noch schwammig. Es gibt keinen Abschiedsbrief, kein Video, kein Bekenntnis, das Aufschluss darüber geben könnte, weshalb es zu der Bluttat kam.