Inzwischen ist bekannt, dass Tim K. seinen Amoklauf doch nicht im Internet angekündigt hat, wie anfangs von der Polizei verbreitet. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wusste das wahrscheinlich nicht, als sie am Donnerstagabend versuchte, eine Debatte darüber anzustoßen, dass es im Internet einen zentralen Notruf geben müsse, wenn irgendjemand etwas "unheimlich erscheine". Denn, so von der Leyen in der ZDF-Sendung Maybrit Illner : "Wir haben im Internet nicht so etwas wie 110."

Doch braucht es überhaupt eine eigene Nummer für das Netz, einen "Not-Klick", wie es die Ministerin nannte?

Die Polizei zumindest glaubt das nicht. Ihre Empfehlung ist immer die gleiche: Egal, wo jemand etwas bemerkt, was kriminell sein könnte, ob auf der Straße oder im Internet – Anzeige erstatten. Im Zweifel also zum Telefon greifen und die 110 wählen, weil in einem Internetforum jemand mit Mord droht? Ja.

"Wir haben doch eine zentrale Notrufnummer in Deutschland", sagte Konrad Freiberg, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP gegenüber ZEIT ONLINE. "Ich sehe den Bedarf nicht."

Seit mehreren Jahren bauen die Polizeien der Bundesländer außerdem ihre Präsenz im Internet aus, um auch dort immer erreichbar zu sein. Internetwache heißt das Konzept. Mehrere Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Berlin haben längst eine, andere werden noch folgen. Doch geht es dabei nur darum, einen weiteren Informationszugang zu schaffen. Neue Notrufformen will man damit nicht aufbauen, auch wenn es möglich ist, darüber Anzeige zu erstatten oder den Beamten Hinweise zu geben.