Unter dem wachsenden Druck der internationalen Gemeinschaft haben sich die Schweiz, Luxemburg und Österreich bereit erklärt, ihr striktes Bankgeheimnis zu lockern und die OECD-Standards zur Transparenz und zum Informationsaustausch in Steuerfragen zu übernehmen. Am Vortag hatten bereits Liechtenstein und Andorra im internationalen Streit um die Steuerflucht eingelenkt.

Der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz will nun auch bei Steuerhinterziehung Amtshilfe leisten – unter gewissen Bedingungen. "Das Bankgeheimnis schützt nicht vor Steuerdelikten", sagte Merz. Allerdings müssten erweiterte bilaterale Steuerabkommen geschlossen werden, bevor die neue Regelung in Kraft treten könne. Bisher hatten die Schweizer nur bei Steuerbetrug, etwa nach dem Fälschen von Unterlagen, Amtshilfe gewährt.

Auch Österreich will künftig bei "begründetem Verdacht" einer ausländischen Behörde auf Steuervergehen Informationen über Konten austauschen, auch wenn noch kein Strafverfahren läuft. Bisher legte die Alpenrepublik Kontendaten nur bei Strafverfahren offen.

Luxemburg lenkte ebenfalls ein. Das Großherzogtum ist künftig zum Informationsaustausch mit anderen Ländern nicht nur bei Verdacht des Steuerbetrugs, sondern auch bei einem konkreten Verdacht auf Steuerhinterziehung bereit. Damit hofft das Land, nicht auf eine "Schwarze Liste" der Staaten mit Steuerschlupflöchern zu geraten, die die G20-Gruppe plant. Luxemburg war bisher zum Informationsaustausch mit anderen EU-Ländern nur bereit, wenn es um schweren Steuerbetrug ging. Dies setzte eine systematische Anwendung von betrügerischen Machenschaften und "erhebliche Beträge" voraus, die dem Fiskus vorenthalten werden.

Am Vortag hatten bereits die zwei anderen europäischen Steueroasen Andorra und Liechtenstein angekündigt, ihr Bankgeheimnis aufzuweichen. Das Fürstentum wil sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen etwa mit Deutschland und Großbritannien abschließen. Die Verhandlungen darüber sollen bereits an diesem Freitag beginnen. Liechtenstein akzeptiere die OECD-Standards für Transparenz und Informationsaustausch in Steuerfragen und unterstütze die internationalen Maßnahmen gegen die Nichteinhaltung von Steuergesetzen. Das Land biete interessierten Staaten Abkommen über die Zusammenarbeit bei Steuerbetrug und Steuerhinterziehung an, teilte die Regierung in einer in Vaduz veröffentlichten Erklärung mit.