Gestern war ihnen noch alle Bewunderung sicher. Irland, das Armenhaus Europas über Jahrhunderte hinweg, war plötzlich reich, jung, schön, modern. Eine Erfolgsgeschichte am Rande von Euro-Land. Und Kalifornien? Fun, Fun, Fun , jodelten einst die Beach Boys, ein Modellstaat der schönen Reichen von Hollywood bis in die Redwoods, das Traumfabrikwunderland mit Napa Valley (Wein) und Silicon Valley (Geist).

Perdu. Kalifornien geht in Washington betteln und Irland in Brüssel. Vier Millionen Menschen auf der Grünen Insel, 38 Millionen im Golden State sehen im Atlantik, im Pazifik ihre Felle davonschwimmen. Vorbei ist's mit der herrlichen Randlage im Westen. Iren wie Kaliforniern droht die Zwangsräumung in ihren teuren Eigenheimen, der Verlust ihrer Arbeit (zuerst den Polen hier, den Latinos dort), kurz, eine düstere Zukunft mit Schulden, Schulden, Schulden.

Wo die Zahlen von solcherlei Verlusten künden, ähneln sie sich auf erschreckende Weise: Arbeitslos gemeldet sind derzeit rund zehn Prozent der Kalifornier, offiziell jedenfalls; in Irland dürften sie diese Schwelle in wenigen Wochen erreichen – wo man doch noch vor ein, zwei Jahren stolz gerade einmal vier Prozent meldete.

Verschuldet ist Kalifornien über beide Ohren, privat wie öffentlich, 42 Milliarden Dollar fehlen in der Steuerkasse. Arnold Schwarzenegger in seiner letzten, ohnmächtigen Rolle als "Terminator" der Politik, wir hätten dem Gouverneur einen schöneren Abgang von der Bühne gegönnt. Der irische Premier Brian Cowen, von der Statur her einem Mister Universum eher unähnlich, hat die Muskeln wie sein berühmter Kollege spielen lassen, sein Budgetdefizit erreicht inzwischen zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dem einen wie dem anderen trauen die Fachleute nicht zu, ihre steile Talfahrt noch bremsen zu können. 

Schuld sind natürlich Wall Street und City of London, wo die Spekulationsblase platzte und die Reichen in Irland wie in Kalifornien Federn lassen mussten. Nein, schuld sind auch die heimischen Politiker, die in guten Zeiten schlecht regierten und in schlechten Zeiten nun gar nicht mehr.