Das in erster Linie für Programmfragen zuständige Gremium, der Fernsehrat, beschloss zunächst, die für den 27. März geplante Wahl Brenders zu verschieben. Statt der Wahl soll nun ein Rechtgutachten entstehen, das klärt, welche Kriterien der Verwaltungsrat bei der Besetzung des Direktorenpostens zugrunde legen kann.

Es gehe darum, die Zuständigkeiten von Intendant, Fernsehrat und Verwaltungsrat aus einer unabhängigen Perspektive zu klären, sagte ZDF-Intendant Markus Schächter. Nach Informationen von ZEIT ONLINE wertet die ZDF-Führung diesen Beschluss als einen Befreiungsschlag. Nach den Konfrontationen der vergangenen Wochen könne man nun Zeit gewinnen, um zu einem Kompromiss zu gelangen, hieß es in dem Sender.

"Nikolaus Brender ist und bleibt mein Kandidat für das Amt des Chefredakteurs. Er steht für Unabhängigkeit und journalistische Kompetenz", sagte Schächter, dem der Fernsehrat das Vertrauen aussprach. Der Intendant äußerte sich "optimistisch, dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden". Schächter kündigte an, er werde seinen Vorschlag, den Vertrag des Chefredakteurs um weitere fünf Jahre zu verlängern, nicht wie angekündigt am 27. März vorlegen. Grundsätzlich unterstützt er Brender.

Brenders Vertrag läuft noch bis zum 31. März 2010. Nach mehreren Gesprächen mit Mitgliedern des Verwaltungsrats, der Brender wählen müsste, habe Schächter nicht mehr davon ausgehen können, dass bis zur nächsten Sitzung des Gremiums eine Einigung möglich sei. Zunächst solle nun die von ihm in Auftrag gegebene Expertise Klarheit schaffen. Mit dem Ergebnis des Gutachtens ist nach dem Bundestagswahlkampf im Herbst zu rechnen.

Über die Rolle des 14-köpfigen Verwaltungsrats und seine Zusammensetzung ist in den vergangenen Wochen erbittert gestritten worden. Während prominente ZDF-Mitarbeiter sich gegen eine Einmischung der Politik in innere Angelegenheiten des Senders wandten, warfen SPD-Politiker der CDU parteipolitisches Taktieren vor. Der CDU-Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, plädierte öffentlich gegen Brender, forderte einen "Neuanfang" und berief sich dazu auf sinkende Zuschauerzahlen der von Brender verantworteten Informationsprogramme. Koch ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats.

Der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), der in den vergangenen Tagen Koch kritisiert hatte, unterstützte nun den Vorschlag Schächters, die Entscheidung über die Neubesetzung zu verschieben. Beck begrüßte Schächters Festhalten an Brender. Wichtig für das weitere Verfahren sei, dass in der Debatte des Fernsehrates dem Intendanten uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen worden sei.