Knapp zwei Wochen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben die Stadtoberen erstmals bestätigt, dass während des U-Bahn-Baus gegen Regeln verstoßen wurde. Umweltdezernentin Marlies Bredehorst sagte auf einer Pressekonferenz: "Einige Bauunternehmen haben sich nicht an Auflagen zum Umgang mit Grundwasser gehalten."

So seien seit September 2008 in unmittelbarer Nähe des Archivs 15 statt der genehmigten vier Brunnen errichtet worden. Außerdem sei mehr Grundwasser abgepumpt worden als gestattet. Die zulässige Fördermenge des Grundwassers beträgt 450 Kubikmeter pro Stunde. Tatsächlich aber seien zum Teil bis zu 750 Kubikmeter pro Stunde gefördert worden.

Von diesen Verstößen hätte die Stadt erst erfahren, als sie am vergangenen Dienstag die sogenannten Brunnentagebücher von den Bauunternehmen angefordert habe, in denen die geförderten Wassermengen protokolliert werden. "Überschreitungen der erlaubten Werte haben die Firmen in eigener Initiative der Unteren Wasserbehörde zur Prüfung vorzulegen, was jedoch nicht geschehen ist", hieß es.

Auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KBV) bestritten am Sonntag, bereits vor dem Unglück Kenntnis über etwaige Fehler bei den Bauarbeiten gehabt zu haben. Zudem fehlten noch immer Unterlagen der ausführenden Baufirmen, ohne die der Unfallhergang nicht geklärt werden könnten. Die Bauarbeitsgemeinschaft für den U-Bahn-Bau sei eine Auskunft bislang schuldig geblieben, sagte KVB-Vorstand Walter Reinarz.

So habe man zwar erste Hinweise auf die Unfallursache, wolle den "Spekulationen" aber nicht nachgehen. Besser sei es, auf die fehlenden Unterlagen zu warten. Ob die Verstöße der Bauunternehmen für die Katastrophe verantwortlich seien, konnte Dezernentin Bredehorst nicht sagen. Der ehemalige Baudezernent Bela Dören sagte dagegen der Süddeutschen Zeitung , die Verfahren und Techniken beim Bau der Nord-Süd-Bahn im Grundwasserbereich seien "eindeutig risikobehaftet".