Der entscheidende Satz fällt gleich zu Beginn, es geht alles sehr schnell. "Ich habe viele Jahre lang ein Schneeballsystem betrieben", sagt Bernard Madoff. Fast reglos trägt er diesen Satz vor, seine Miene verrät nichts. Der Gerichtssaal ist mit mehr als 100 Besuchern randvoll. Noch einmal so viele Investoren und Journalisten beobachten jede Regung Madoffs auf einer Großleinwand.

Es ist der erste Tag im Prozess gegen den einstigen Finanzjongleur, aufgeklärt werden soll der größte Betrug in der Geschichte der Wall Street. Madoff muss sich vor dem New Yorker Bezirksgericht verantworten und wählt den Weg des Büßers: Wertpapierbetrug, Geldwäsche, Falschaussagen – in sämtlichen elf Anklagepunkten bekennt sich der 70-Jährige schuldig.

Und doch werden am Ende des Prozessauftakts viele Fragen offen bleiben, auf die sich Dutzende geprellte Anleger eine Antwort erhofft hatten, die nun im Gerichtsaal sitzen. Wo ist das Geld und wie viel lässt sich noch retten? Wer wusste außer Madoff über das Betrugssystem Bescheid und hat womöglich sogar mitgeholfen? Madoff schweigt hierzu.

Zunächst möchte Richter Denny Chin ganz andere Dinge von dem Angeklagten wissen. Steht er unter Drogen, hat er Alkohol getrunken oder Medikamente genommen? Madoff verneint knapp. Er räuspert sich mehrfach und muss mehrfach ermahnt werden, lauter zu sprechen. Seit seiner Verhaftung im Dezember hat Madoff abgenommen, neben seinem Anwalt Ira Sorkin wirkt er regelrecht abgemagert. Seltsam unbeteiligt wirkt er, sein fünfseitiges Schuldbekenntnis liest er ab. Einmal setzt er mitten im Wort ab, um zur nächsten Seite zu blättern. Es wirkt nicht wie echte Reue, als er jene Sätze sagt, mit denen er später tausendfach zitiert werden wird. "Ich bekenne mich schuldig. Es tut mir sehr leid. Ich schäme mich".

So kommt es, dass die wütenden Anleger ihm die Scham und Reue nicht abkaufen: "Das war keine echte Entschuldigung, sondern eine Aneinanderreihung von Standardsätzen", wird Judith Welling später sagen. Sie hat nach eigenen Angaben mehr als eine Million Dollar bei Madoff verloren.

Mitte Dezember hatte Madoff dem FBI gestanden, ein Betrugssystem historischen Ausmaßes kreiert zu haben. Er schätzte den Schaden auf 50 Milliarden Dollar - eine atemberaubende Summe. Seitdem stand "Bernie", wie er in der US-Presse genannt wird, in seinem Apartment an der edlen Upper East Side unter Hausarrest. Er verstieß mehrfach gegen Kautionsauflagen, einmal versuchte er sogar, Schmuck und Geld per Post aus der Wohnung zu schmuggeln.