Opel ist kein deutsches Unternehmen mehr. Längst ist der Automobilhersteller ins europäische Netz der GM-Europe-Werke eingebunden. Zahlreiche Bauteile der Wagen, die in den Opel-Werken in Bochum, Eisenach oder Rüsselsheim gefertigt werden, kommen aus dem Ausland.

Das erschwert die Debatte darüber, ob die deutsche Regierung dem angeschlagenen Unternehmen beispringen soll. Ganz davon abgesehen, dass GM Europe ohne Entscheidungen aus den USA ohnehin nicht zu retten ist. Ein Land alleine kann nichts bewegen. Die Europäer müssen gemeinsam entscheiden, wie sie sich GM Europe und ihren Töchtern gegenüber verhalten.

An diesem Freitag sollen sie dazu erste Schritte unternehmen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen lädt Spitzenvertreter und Anteilseigner von General Motors nach Brüssel, um über Opels Schicksal zu beraten. Man hoffe, dass auch Konzern-Vize Fritz Henderson aus Detroit anreise, sagte ein Sprecher Verheugens. 

Auch die EU-Wirtschaftsminister sind eingeladen. Wer der Einladung folgen wird, ist jedoch unklar. Die Wirtschaftsminister aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Polen, Spanien und Belgien hätten ein Interesse, nach Brüssel zu reisen: In ihren Ländern befinden sich Opel- oder Vauxhall-Werke. Deutschlands Minister Guttenberg jedoch hat bereits abgesagt. Er schickt bloß seinen Staatssekretär.

Dabei wäre es wichtig, dass die Europäer im Streit um Staatshilfen für GM Europe eine einheitliche Linie fänden. Bislang ist die nicht in Sicht. Während etwa Spaniens Regierung dem GM-Werk in Saragossa schon Hilfen zusicherte, streitet die Große Koalition in Deutschland seit Wochen darüber, ob Opel gerettet werden soll. Die belgische Regierung will nur dann Geld geben, wenn das GM-Werk in Antwerpen erhalten bleibt.

GM Europe trägt schwer an hohen Überkapazitäten. Um die abzubauen, wäre es am sinnvollsten, komplette Produktionsstätten ganz zu schließen. Drei europäische Werke seien überflüssig, sagt GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster. Als besonders bedroht gelten die Fabriken in Bochum und Antwerpen. Auch darüber dürften die Politiker am Freitag mit der GM-Spitze sprechen – schließlich stehen europaweit rund 55.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.