Die pakistanische Regierung gibt dem Druck ihrer Gegner nach und macht die Absetzung des Obersten Richters Iftikhar Chaudhry rückgängig. Premierminister Yousuf Raza Gilani kündigte am frühen Montagmorgen in einer
Fernsehansprache die Wiedereinsetzung Chaudhrys und der anderen abgesetzten Richter in ihre Ämter an. Daraufhin sagte Oppositionsführer Nawaz Sharif nach Angaben des Fernsehsenders Geo News, der sogenannte "Lange Marsch" von Oppositionellen nach Islamabad solle nicht weitergehen.

Zahlreiche Regimegegner und Anwälte waren am Donnerstag zu einem Sternmarsch auf die Hauptstadt aufgebrochen. Ursprünglich wollten sie dort am Montag mit einem Sitzstreik gegen Chaudrys Absetzung protestieren. Aus ihrer Sicht kam seine Entlassung im Jahr 2007 einem Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz insgesamt gleich. Chaudry war vom damaligen Militärmachthaber Pervez Musharraf abgesetzt worden. Dieser wollte so ausschließen, dass der populäre Richter Musharrafs damals bevorstehende Wiederwahl für verfassungswidrig erklärt.

Der Oberste Richter solle sein Amt ab dem 21. März wieder ausführen, sagte Gilani. Die Regierung in Islamabad kommt damit der zentralen Forderung ihrer Gegner nach. Gilani sagte weiter, die Entscheidung des Obersten Gerichts, das Nawaz Sharif die Übernahme politischer Ämter untersagte, solle überprüft werden. Die Regierung werde einen entsprechenden Antrag einreichen.

Nachdem die Entscheidung des Premiers bekannt wurde, versammelten sich mehrere Hundert Oppositionelle und Juristen jubelnd vor Chaudhrys Wohnsitz in Islamabad. Sie tanzten und riefen: "Lang lebe der Oberste Richter." Tariq Mehmud, ein Richter im Ruhestand und einer der Anführer der Bewegung der Juristen, sagte: "Dies ist ein Sieg für diejenigen, die für die Unabhängigkeit des Rechtswesens gekämpft haben. Und es ist das erste Mal in der Geschichte Pakistans, dass eine von der Mittelklasse ausgehende Bewegung erfolgreich war."

Am Streit über den Umgang mit den geschassten Richtern war im August die Koalition aus der Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Staatspräsident Asif Ali Zardari , dem Witwer der ermordeten ehemaligen Regierungschefin Benazir Bhutto, und der PML-N von Nawaz Sharif zerbrochen. Zardari hatte die Forderung der PML-N nach bedingungsloser Wiedereinsetzung der Juristen nicht erfüllt. Beobachtern zufolge könnte der Richter eine noch von Musharraf erlassene Amnestie für den Witwer Benazir Bhuttos für nichtig erklären.

Die Regierung hatte vergeblich versucht, durch hartes Durchgreifen und massenhafte Festnahmen die Proteste zu unterbinden. Die Konfrontation eskalierte, es kam zu Straßenschlachten zwischen Anhängern der Opposition und Sicherheitskräften. Danach stellte sich Sharif an die Spitze der Proteste.

Der innenpolitische Machtkampf war auch international mit großer Besorgnis verfolgt worden. So fürchteten die USA, dass die Entwicklung zur Schwächung der Bemühungen im Kampf gegen Extremisten von Taliban und al-Qaida im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan führen könnte. Für die US-Pläne zur Stabilisierung Afghanistans ist es elementar, dass die Rebellen in Pakistan keine Zuflucht finden. Die US-Botschaft begrüßte die Wiedereinsetzung Chaudhrys und sprach von einer staatsmännischen Entscheidung, die der Entspannung des innenpolitischen Klimas diene.