Wirklich verstehen kann auch kein Erwachsener, was an der Schule in Winnenden geschehen ist. "Fassungslos" und "unbegreiflich" sind die Vokabeln der Wahl in diesen Tagen. Nach dem Mitgefühl für die Betroffenen kommt bald die Angst hinzu: Was ist, wenn mein Kind einen Amokläufer zum Mitschüler hat? Und so geht es vielen Schülern in ganz Deutschland jetzt auch. Sie fühlen sich nicht mehr sicher an ihrer Schule. Doch welche Gespräche kann man ihnen zumuten und welche nicht?

Soll man solche Tragödien lieber verschweigen? Oder beim Abendbrot jedes Detail durchsprechen?

Die Kinder- und Jugendtherapeutin Ute Kiehn-Müller sagt: " Verschweigen soll man gar nichts, man muss den Fall so darstellen, wie er war." Ben Martin, ein amerikanischer Psychologe, hat nach den amerikanischen School-Shootings Tipps bereitgestellt, wie Erwachsene mit den Kindern darüber reden sollten. Auch die American Psychological Association hat ähnliche Regeln herausgegeben. Martin meint wie Kiehn-Müller, man solle auch jüngeren Kindern die Wahrheit erzählen, allerdings mit verständlichen Worten und ohne allzu viele Details.

Kiehn-Müller empfiehlt, vor allem kleinen Kindern nicht ungefragt von dem Schulmassaker zu erzählen, sondern nur auf Nachfrage. Dann gilt für einen Erstklässler dasselbe wie für einen 13-jährigen. "Irgendwann hören die Fragen der Kinder auf und an dieser Stelle sollte man auch nicht weiter erzählen." Denn schon kleine Kinder erkennen genau, wo ihre Grenze ist. Sie wissen, was sie nicht mehr ertragen können.

Ist es in Ordnung, wenn Schüler die Schulmassaker im Fernsehen ansehen?

Ben Martin sagt ganz klar: Kleine Kinder sollten die Details im Fernsehen nicht sehen. Sie können vielem nicht folgen, die Bilder nicht verarbeiten. Persönliche Gespräche sind viel geeigneter. Ältere Kinder und Jugendliche haben die Bilder im Zweifel sowieso schon gesehen. Dann sollten die Eltern mit ihren Kindern jedoch weniger über die Bilder selbst sprechen als über die Gefühle, die beim Anschauen entstanden sind.

Was sagt man, wenn das Kind fragt: Kann mir dasselbe an meiner Schule passieren?

Lügen Sie nicht. Man kann es nicht ausschließen. Aber versuchen Sie das Kind zu beruhigen: Amokläufe gibt es nicht häufig und alle Verantwortlichen werden ihr Möglichstes tun, um sie zu verhindern. Erzählen Sie von den Plänen, zum Beispiel mehr Schulpsychologen einzustellen, um Kindern zu helfen, die sich nicht aufgehoben fühlen. Wenn ein Kind sich besonders unsicher fühlt, sollten Eltern, Lehrer und andere Betreuer sich darüber austauschen und ihm gemeinsam versichern: "Wir tun alles, um dich zu beschützen".