Schulmassaker sind fast noch erschütternder als terroristische Angriffe. Denn es werden vor allem Kinder und Jugendliche getötet, noch dazu an einem Ort, der ihr Leben bereichern soll. Deshalb ist der Impuls verständlich, die Ursache schnell ausmachen und beseitigen zu wollen. Politiker fordern, Waffenbesitzer zu kontrollieren und Computerspiele zu verbieten .

Es würde einer modernen Gesellschaft sicher gut stehen, wenn Gewalt kein Hobby mehr wäre. Aber leider greifen solche schnellen Maßnahmen im Fall von Schulmassakern nicht. Wenn jemand seine Ballerspiele nicht mehr startet, um zu spielen, sondern um mit ihnen das Töten zu üben, dann ist es vielleicht schon zu spät. Es ist schon viel in diesem Menschen kaputtgegangen. Prävention muss vorher beginnen.

Zunächst müssen wir uns wohl zu einem guten Teil unsere Hilflosigkeit eingestehen. Man kann nicht in die Köpfe von Jugendlichen schauen. Wir können keine Checkliste mit Merkmalen abhaken, um die potenziellen Täter sicher zu erkennen. Es gibt auch nicht ein für alle geltendes eindeutiges Motiv. Wie es letztendlich zu einem solchen Entschluss kommt, bleibt unverständlich. Einige Experten wie Joachim Kersten glauben deshalb, Prävention sei nicht möglich .

Doch andere Forscher bestreiten das. Jens Hoffmann etwa vom Institut Psychologie & Sicherheit hat ein Frühwarnsystem entwickelt, das noch in der Testphase ist. 31 Faktoren werden geprüft. Danach könne man erkennen, ob ein Jugendlicher eventuell gefährdet sei. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagt er "Ich kenne mindestens zwei Jugendliche, die auf dem Weg zu einem Amoklauf waren und dadurch abgefangen worden sind."

Und auch Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der FU Berlin forscht zum Thema und hat in seinem Projekt erlebt, dass durch Prävention Gewalt verhindert werden konnte. Beispielsweise hat ein Jugendlicher geplant, mit einer Axt in die Schule zu laufen und auf seine Lehrerin einzuschlagen. Das ist rechtzeitig erkannt worden. Wahrscheinlich erfährt man jedoch von den Erfolgen meistens nichts. "Die positiven Effekte kann man schlechter messen", sagt Scheithauer.

Zur Prävention von Gewalt muss man allerdings den Blick weiten. Man darf nicht nur die potenziellen Amokläufer betrachten, sondern alle Kinder, die kaum Anerkennung bekommen, die sich nirgends zugehörig fühlen, die gemobbt werden, die sich ausgeliefert fühlen. Das kann schon zum spezifischen Muster eines potenziellen Amokläufers gehören.