Harte Worte in der Debatte um das Schweizer Bankgeheimnis: Thomas Müller, Abgeordneter der Christdemokratischen Volkspartei (CVP) im Nationalrat, dem Schweizer Parlament, hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in eine Linie mit Nationalsozialisten gestellt: "Peer Steinbrück, das darf man in aller Offenheit sagen, definiert das Bild des hässlichen Deutschen neu. Er erinnert mich an jene Generation von Deutschen, die vor 60 Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind".

Diese Worte fielen während der Sonderdebatte des Nationalrats zum Thema "Finanzplatz Schweiz". Darin wurde Steinbrück auch von anderen Parteien kritisiert. Die FDP-Fraktionschefin Gabi Huber (UR) bezeichnete "das Großmachtgehabe des deutschen Finanzministers" als unerträglich. Und schließlich rangen sich auch die Sozialdemokraten zu einer Stellungnahme über ihren deutschen Genossen durch: Die Äußerungen Steinbrücks seien unerträglich, sagte Hildegard Fässler (SG).

Allein die Äußerungen Müllers lösten aber Unruhe im Saal aus. Er selbst findet seine Worte nicht zu hart, wie er gegenüber 20 Minuten Online sagt. "Deutschland betreibt reine Machtpolitik, wie früher." Es sei Zeit, einmal Klartext zu reden. "Steinbrück versteht keine andere Sprache." Der CVPler fragt sich, warum Bundeskanzlerin Angela Merkel noch nicht interveniert habe. "Eventuell ist es ihre Strategie, da Steinbrück der beste Wahlhelfer für die CDU ist."

Auslöser für den Unmut der Eidgenossen waren Äußerungen Steinbrücks am vergangenen Sonnabend am Rande des Treffens der Finanzminister der G-20 in London. Dabei ging es um das schärfere Vorgehen der führenden Industrie- und Schwellenländer gegen Steueroasen, unter anderem der Schweiz. Im Schweizer Fernsehen soll er die Drohung mit einer Schwarzen Liste, mit der "siebten Kavallerie vor Yuma" verglichen haben. Diese könne man auch ausreiten lassen, "aber die muss man nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt".

Die Schweiz zeigte sich empört und hatte den deutschen Botschafter in Bern zum zweiten Mal in einem halben Jahr einbestellt. Das Finanzministerium wiederum hat die Vorwürfe gegen Ressortchef Steinbrück scharf zurückgewiesen. "Mit keiner Silbe, mit keinem Vergleich - weder jetzt noch früher - hat der Minister sich despektierlich gegenüber der Schweiz und ihren Bürgern verhalten", sagte Steinbrücks Sprecher Torsten Albig.