Und in Ohio musste die Tür zum Kontrollstand eines Atomkraftwerks aufgeschweißt werden, weil das Schloss nicht mehr zu öffnen war. Kluus’ Team sollte nun herausfinden, woran all das lag. Hatte es Anschläge auf wichtige Knotenpunkte gegeben? Waren vielleicht nur einzelne Länder vom Netz abgeschnitten, wie Pakistan nach einem Erdbeben 2005 oder Estland nach einem Angriff russischer Hacker 2007? Die Ursache war schwer zu finden, schließlich waren selbst ihre Rechner offline.

Besonders leiden mussten unter dem Ausfall Call-Center-Mitarbeiter. Wer bei der Telekom anrief, um sich über seinen DSL-128.000-Anschluss zu beschweren, hörte Ansagen wie: "Herzlich willkommen, der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für Sie da. Vor Ihnen sind noch 312 Anrufer."

Vor den Bankfilialen bildeten sich Menschentrauben, weil außer Onlinebanking auch die meisten Geldautomaten und Kartenlesegeräte nicht mehr funktionierten. Die Leute brauchten Bares. Die Welt schien still zu stehen: Der Zugverkehr wurde eingestellt, Flugzeuge blieben am Boden. Nachdem Aktien weltweit rasant an Wert verloren hatten, verwüsteten Kleinanleger die Zentrale eines Münchner Internet-Brokers. Sie hatten wegen des Webseiten-Ausfalls ihre Aktien nicht verkaufen können.

Erst zwei Tage nach dem "großen Off", wie der Ausfall in den Medien genannt wurde, klingelte das Telefon in Kluus’ Büro. Ein Kollege aus Washington war dran: IT-Fachleute hätten entdeckt, dass die 13 zentralen Internet-Server, die so genannten Root-Nameserver, mit sinnlosen Anfragen überfordert würden. Diese Server waren dafür zuständig, Webadressen wie www.google.de in eine vierteilige Nummernfolge umzurechnen. Und diese war nötig, um Datenpakete im Netz sicher an ihr Ziel zu bringen. Nun konnten die Root-Nameserver ihren Job nicht mehr machen, weil sie zu beschäftigt waren.