Selbst Regen treibt die Schüler und Eltern, die sich seit den frühen Morgenstunden vor der Albertville-Realschule versammelt haben, nicht zum Gehen an. Sie stehen da, werden nass und blicken auf das Meer von Kerzen, Engelsfiguren und beschriebenen Zetteln, deren Buchstaben sich allmählich auflösen. Manche gehen einfach nur auf und ab, als wüssten sie nicht, was sie sonst machen sollten am Tag eins nach der Katastrophe, die immer noch niemand fassen, niemand begreifen kann. Über der Szenerie liegt eine Stille, die keiner zu durchbrechen wagt.

"Dieser Tag war der schlimmste in unserem Leben", haben Irini und Claudia auf ein großes Blatt Papier geschrieben, das neben vielen anderen Botschaften auf den steinernen Begrenzungsmauern vor dem Schulkomplex liegt. "Wir vermissen euch!", bekennen andere Schüler in Schriftform. Auch Schüler aus Nachbarorten kondolieren auf ihre eigene, aber immer mitfühlende Weise.

Wer das alles nicht mehr aushalten kann, wer ein Gespräch braucht, findet es in der Hermann-Schwab-Halle neben der Albertville-Schule, die von der Polizei auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde, weil sie nun ein Tatort ist. Vor der Halle hängen die Deutschlandfahne und eine Flagge mit dem Stadtwappen von Winnenden auf Halbmast. Im Innern reden Lehrer, Seelsorger und Psychologen mit allen Schülern, die das wollen. Polizisten schirmen die Hilfsbedürftigen von ungezählten Kameraobjektiven von Journalisten ab. Im Vergleich zu gestern scheinen sie noch zahlreicher geworden zu sein. Sogar der US-Sender CNN ist live auf Sendung, schon seit dem frühen Morgen.